| | Ingors Tagebuch | |
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1. Ich über mich
Tach zusammen! Heute möchte ich mich erst mal vorstellen: Mein Name ist Ingor und ich sitze seit November 2002 hier im Tierheim. Hier ist es ziemlich langweilig und deshalb habe ich mir selbst das Schreiben beigebracht. Not macht eben erfinderisch. Von jetzt an werde ich Euch regelmäßig an meinem kleinen Leben teilhaben lassen und möchte Euch erst mal einige Infos zu meiner Zeit vor dem Tagebuch geben. Ich wurde von meinem Frauchen abgegeben, weil der Vermieter mich nicht in seinem Haus dulden wollte. 4 Jahre lebte ich bei ihr und nur weil einige meiner Staff-Kollegen durch ihre seltsamen Herrchen auf die schiefe Bahn gekommen sind, muss ich dafür büßen und sitze nun in meinem Zwinger statt auf Frauchens Sofa - Wie gemein!
Das einzige Animationsprogramm, das die einem hier bieten (neben der Vollpension und dem Tierarztbesuch) sind die Spaziergänge mit den Paten. Leider wollte anfangs kaum einer mit mir gehen, weil ich bei Spaziergang ziehe. Ich sage mir immer "Zeit ist Geld" und renne drauf los, wenn ich schon mal rauskomme. Finden die Paten aber oft doof, weil die danach Muskelkater in den Armen und im Rücken haben. Es sind viele Büroleute, die hier hinkommen und denen kann meiner Meinung nach ein wenig sportliche Bewegung nicht schaden! |  |
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 | Seit fast 5 Jahren habe ich eine "Stammpatin", die vorher mit einer Kollegin von mir gegangen ist. Diese "Ninja" ist inzwischen vermittelt (hat die es guuuut, snief!) und hat wohl auch immer stark an der Leine gezogen, so dass meine Patin sich schon mal an die Regeln gewöhnt hat. Eigentlich wollte sie nach Ninja keinen Stammhund mehr, weil man dann meist viermal in der Woche ins Heim kommt und immer ein schlechtes Gewissen hat, wenn man mal nicht kann. Und als Ninja vermittelt wurde, hat sie erst mal eine Woche nur geheult, weil sie sie so sehr vermisst hat. |
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2. Hundeschule
Nach wenigen Monaten zarter Liebesbande und Festigung unserer Beziehung hat meine Patin uns in der Schule angemeldet, damit ich was lerne. Nerv! Ich was lernen?? - Ich bin doch perfekt!! O.k., tu ich ihr eben den Gefallen. Wir sind dann mit 8 anderen Paten und 8 Staff-Kollegen auf einen Platz gegangen, wo auch Lutz stand. Er ist irgendwie der Oberboss vom Heim und unser Lehrer, also ein extrem wichtiger Typ!! Der hat uns dann beigebracht, wie man "Sitz", "Platz" und "Fuß" macht. Dachten die Paten...hihi, nee, nee, der hat das nicht uns beigebracht, sondern denen. Er hat den Paten die Bedienungsanleitung für uns Hunde erklärt: welche Kommandos man uns sagt, damit wir wissen, was wir machen sollen, wie man mit uns umgeht und uns belohnt. Endlich mal Klartext! Echt amüsant zu sehen, wie, sagen wir mal "ungeschickt" sich mache Paten so anstellen. | |
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Wir mussten im Kreis gehen und das bei Fuß. Dazu haben die Paten uns Leckerlis vor die Nase gehalten, damit wir schön neben denen gehen. Einige von uns waren echte Streber, während ich meine Patin immer an den Rand des Nervenzusammenbruchs gebracht habe, weil ich einfach schneller gehen wollte als sie.
Oder "Rocky", der war super cool. Der ist einfach mittendrin stehen geblieben und seine Patin bekam ihn nicht mehr von der Stelle. Die beste Showeinlage hatte unser Opi "Sioux" immer drauf: er schlich neben seiner Patin, blieb stehen und fing ganz mitleidig an zu zittern. Hihi. Seiner Patin tat er dann immer furchtbar leid und er bekam eine Extraportion Streichelei. Der alte Schwerenöter!! Einige Monate liefen wir also im Kreis, in Schlangenlinien um uns rum, mussten "Sitz" und "Platz" üben, durften uns nicht erschrecken, wenn der Lutz mit Schirmen, Trillerpfeife, seltsamen Verkleidungen auf uns zulief. Wir sind auch alle ganz ruhig geblieben, auch wenn wir uns am liebsten auf den Boden geworfen hätten vor Lachen. Aber man muss ja höflich bleiben. Wenn´s ihm Spaß macht.... Es war schon echt witzig und eine Abwechslung zum langweiligen Alltag. Hier hab ich viele Kumpels und eine süße Schnitte kennen gelernt mit denen ich jetzt auch noch immer spazieren gehe. | |
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3. Glückspilze
Die Hundeschule besuchten wir regelmäßig und die Paten holten uns mehrmals in der Woche zum Spaziergang. Dabei passierte es schon mal, dass die Patinnen meinen Kollegen zu tief in die Augen schauten. Irgendwann erzählte Thyson mir, dass seine Patin Anke ihn gefragt hat, ob er zu ihr ziehen möchte. Für einen One-Day-Stand durfte er mal in ihre Wohnung, weil sie testen wollte, wie er sich dort so benimmt. Wie sie sich in seinem Zwinger benimmt, wusste er ja schon. Bei dem Date haben die beiden sich verlobt und eine Woche später ist er zu ihr gezogen. |  |
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 | Als wär eine Seuche ausgebrochen kam kurze Zeit danach eine Mail von Streuner in meinen Zwinger. Auch seine Patin Sandra hat ihm ins Segelohr geflüstert, dass sie ihn haben will. Was ist denn nun los? Schwups, kurz danach zog Streuner zu Sandra und ihrem Freund und hat mir im Sommer eine Postkarte aus Kroatien geschickt Ja, super!
Und ich?????? Ich warte seitdem täglich darauf, dass meine Patin, die seltsamerweise auch Sandra heißt, mich in ihr Haus mitnimmt. Aber nöö, Pustekuchen, bisher ohne Erfolg. Ich weiß zwar, dass sie immer lange arbeiten muss, aber dass kann ja nicht der Grund sein (siehe Thyson). Da steckt sicher was anderes hinter. |
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4.Katzen
Als ich heute mit Sandra spazieren war, hatten wir zum ersten Mal einen Ehe-Krach. Da gehen wir an einem Bauernhof vorbei und plötzlich läuft da so ein pelziges Etwas an mir vorbei. Eine Katze! Bäh! Diese arroganten Kratzbürsten, denen die Menschen zu Füßen liegen und sich zum Affen machen, nur damit die Katze zu ihnen schmusen kommt. Da zweifelt man doch an der Menschheit!! Mich braucht man nur einmal rufen, dann renne ich los und freue mich, geschmust zu werden. Und diese Katzen - die haben die Menschen voll im Griff. Weil ich die so ätzend finde wollte ich schnell hinterher, um sie zu verscheuchen, damit die bloß weg von meinem Paten-Frauchen bleibt. Ich hab tierisch an der Leine gezogen und mich dabei aufrecht gestellt.
Meiner Patin gefiel das überhaupt nicht und meinte, dass man Katzen lieb haben müsste, sonst wären wir geschiedene Leute. Oh, nein! Sie ist auch von dem Virus befallen! Und nicht nur das - sie hat sogar 4 von diesen eingebildeten Schnöseln bei sich zuhause rumlaufen! Ich fasse es nicht!!! Jetzt ist mir auch klar, warum sie mich nicht bei sich wohnen lassen will. Ich armer Schlumpf! Wär ich doch nur Stammhund von Anke oder der Streuner-Sandra geworden.... |  |
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5. Helles
Köpfchen Zu meinem ganzen Leid wurde ich eines morgens wach und hatte Koordinationsprobleme. Soviel hatte ich doch gestern gar nicht getrunken!! Hatte ich einen wilden Traum und war aus meinem Körbchen gefallen? Ich weiß nicht mehr. Irgendwie war mir dusselig und mein Kopf hing etwas schief. Als Sandra abends zum Spaziergang kam und ich mein Bein draußen im Schnee zum Pieseln hob, bin ich beinahe hingefallen. War es zu glatt? Merkwürdig. Am nächsten Tag das gleiche Spiel von vorne. Wieder schiefer Kopf, leichtes Torkeln und starkes Schwanken beim Beinchen heben. Sandra trug alles in unser Tierarztbuch ein und am nächsten Tag wurde ich untersucht. Der Doc hob mich auf den Arzttisch und guckte in mein Ohr, was mir etwas unheimlich war. Die Diagnose: Loch im Trommelfell. Iiiih, wo hab ich das denn her? Ich nehme doch keine Wattestäbchen! Es tat nicht weh, aber ich sah ein wenig stoned aus. Die Krönung war dann aber, als meine übermäßig besorgte Patin in den Zwinger kam und mir einen Schal um den ganzen Kopf wickelte. Sooo sollte ich auf die Straße gehen? Ja, es könnte ja zuviel kalte Luft ins Ohr kommen. Aha. Wehren wäre sinnlos gewesen, so dass ich mit ihr losmarschierte.
Jeden Tag fragten sämtliche Paten besorgt, was denn mit mir los sei und bekamen die Erklärung dafür. Dies wiederum bescherte mir unendliches Mitleid, Tätscheleien und Trostleckerlis ;-) Und plötzlich wendete sich das Blatt: alle Hundekollegen, die mich vorher ausgelacht haben, waren nun neidisch über soviel Zuwendung und Interesse an meiner Person, so dass ich es nachher richtig cool fand, mit dem ollen Turban rumzulaufen. Weil ich ja mein Medikament regelmäßig nehmen musste, blieb Sandra nach dem Spaziergang im Zwinger bei mir sitzen und fütterte mich mit der Hand, damit ich die im Futter versteckten Pillen wirklich zu mir nahm. Selbst das matschigste Dosenfutter fütterte sie per Hand. So gut hatte ich sie erzogen. Heute, wo ich vollkommen geheilt bin, mache ich es noch oft so, dass ich einen Kopf zur Seite lege, andeute, nichts essen zu wollen und prompt greift sie wieder in den Napf und füttert mich. Somit kann ich den abendlichen Abschied im Zwinger geschickt ein wenig hinauszögern. Ein helles Köpfchen bin ich! |  |
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6. Hundeschule Teil 2
Es wurde Frühjahr und die Hundeschule machte Fortschritte. Da Lutz uns alle für supi befand, wurden wir zum Wesenstest (= Hundeabitur) angemeldet. Inzwischen beherrschten unsere Paten die Grundbegriffe und der Feinschliff erfolgte in einigen Ausflügen. So gingen wir in Zweiergruppen ins Bauhaus (ups - Schleichwerbung). Wir wurden beobachtet, wie wir mit Alltagssituationen fertig wurden: mit vielen querbeet laufenden Menschen, Einkaufswagen, Warterei beim Aussuchen der Fliesen für den Pflegerraum usw. Wie erwartet, haben wir das alle locker gemeistert. Dann kam der große Ausflug in den Alsdorfer Tierpark! Wir wurden alle in Autos gesetzt und los ging es. Da im Park waren ganz viele komische Tiere, die ich sonst beim Spaziergang nie sehe. Die waren teilweise sehr groß und rochen was streng.
Da es kurz vor Mittag war, dachte ich mir, ich sollte unserer Truppe was zu essen besorgen. Fürsorglich wie ich bin, wollte ich ein im Gebüsch hockendes Hähnchen schnappen, damit wir es grillen können. Uiii, voll das Fettnäpfchen. Hab ich einen Ärger mit Paten-Frauchen bekommen. Die ist nämlich Vegetarier! Woher soll ich das denn wissen?? Hätte Streuners Frauchen nicht gepetzt, als die das gesehen hat, hätte meine Patin das vielleicht nicht gemerkt, da das Hähnchen außerhalb ihres Blickwinkels saß. So hat sie mir die Tour vermasselt und Ärger hab ich trotzdem bekommen. Dabei hab ich es nur gut gemeint. Das Hähnchen lief dann zu seiner Familie und setzt sich sicher nie wieder in das Gebüsch. |  |
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7. Des Ingors neue Kleider
Frauen haben ja so eine komische Art an sich, für jede Gelegenheit neue Klamotten zu kaufen. Sollen sie auch, wenn es ihnen Spaß macht! Aber dass ich das auch aufgebrummt bekomme, nur weil der Wesenstest ansteht…. Wie ein kleiner Junge, der zur Kommunion geht und ein feines Anzügelchen braucht, meinte meine Paten-Sandra, dass es sicher einen guten Eindruck bei den Prüfern macht, wenn ich ein schickes neues Halsband bekommen würde! Oh, Baby, innere Werte zählen und nicht so ein Schickimicki! Aber auf mich hört ja keiner.
Sie übergab mich Thysons Frauchen und kam mit einer Kollektion verschiedener Halsbänder zu mir auf den Hof. Zu klein, zu dünn, zu dunkel, zu hell, mit Nieten drauf = zu asi, mit kleinen Westis drauf = zu albern. Ich fühlte mich, wie Hubsy (=Sandras Menschen-Mann), wenn er durch Kaufhäuser geschleppt wird, um neue Klamotten auszusuchen. Er bekommt Rückenschmerzen und ist voll entnervt! So ging es mir auch: Halsband an, Halsband aus, "Ingor steh still, wackel doch nicht so", "Dein Hals ist zu dick". Endlich hatte sie was gefunden, dass ihrem und dem der umherstehenden, beratenden Patinnen Geschmack traf: es war blau (weil es so gut zu ihren Augen passt) und schön breit (weil es so männlich wirkt). Zu allem Überfluss machte man noch in dieser peinlichen Situation ein Foto von mir. Reicht es nicht, dass alle Hunde mit Hofausblick mich beobachten und sich über mich scheckig lachen konnten???!!! An meinem Gesichtsausdruck seht Ihr meine "Freude" über die Styling-Beratung. |  |
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 | 8. Wesenstest
Da beim Wesenstest keine Hähnchen rumlaufen, durfte ich teilnehmen. Sandra hatte am Tag vorher die tolle Idee, mich in den Freilauf zu setzen, damit ich mich austoben kann und dann total relaxed zum Test gehen würde. Getobt hab ich, aber relaxen kann ich noch, wenn ich mal alt bin. Wir sind dann also mit Klein-Rocky und seiner Patin Steffi erst ´ne Runde durch den Wald spaziert, zum locker werden. Fragt sich nur, wer locker werden musste. Sandra erzählte Steffi, dass sie so aufgeregt sei, dass sie schon 3 Baldrian geschluckt hätte. Oweia und mit der soll ich zum Test! Wir sind dann zum Testplatz gefahren und haben da erst mal keinen Parkplatz gefunden. Die Zeit lief und Frauchen wurde noch nervöser. Später liefen wir zum Platz und alle anderen warteten auf uns. Außer Rocky und mir waren noch 4 Hunde da mit ihren "richtigen" Herrchen und Frauchen, Sandras Lieblingstierarzt, eine Amtstierärztin und einige Typen vom Ordnungsamt. erst wurden unsere Mikrochips abgelesen, damit nicht irgendein Vertretungshund für uns den Test macht und die Paten mussten ihre Mikrochips, eh.., Personalausweise vorzeigen. Und mein Patenfrauchen wurde noch nervöser, während das von Rocky voll cool blieb, wie er selbst. Da half auch nicht die beruhigende Stimme des Tierarztes, von der sie mir sonst immer vorschwärmt. Sie machte mich ganz kirre mit ihrer Art. In ihrer Bauchtasche hatte sie Frolics, Gouda und Schinkenwurst extra für mich eingepackt, damit ich ihr aufs Wort gehorche.
Wie in der Hundeschule liefen wir in Schlangenlinien um uns rum, Jogger passier- ten uns, eine Frau mit Kinderwagen, ein besoffener Mexikaner sprang aus dem Gebüsch, ein Opi auf Krücken kam auf uns zu und zeigte Frauchen den Stadtplan, usw. ... Auf all den Kram hab ich natürlich cool reagiert. Doch dann saßen wir auf einer Bank und ein Auto fuhr auf uns zu. Dann hab ich dann erlegt!! O.k. es war ein ferngesteuertes Spielzeugauto und hätte uns nicht überfahren können, aber sicher ist sicher! Unter den Hunden waren einige, die auch die Leinenbefreiung bekommen wollten. Aber nur die, die bei ihren Herrchen wohnen, da wir Tierheimhunde nicht frei laufen dürfen (Versicherungsgründe). Da kommt so ein dicker, Slow-Motion-Rottweiler in Schlangenlinien um uns rumgewatschelt, bleibt neben mir stehen und schnuppert an mir! AAAAAHHH!! Solche Vertraulichkeiten unter Fremden hasse ich wie die Pest! Unverschämtheit! Dem hab ich die Meinung gesagt!....und meine Patin darauf mir, weil sie Angst hatte, wir würden uns vor den Prüfern blamieren. Ich hab dann auch meine Klappe gehalten, aber sie war knallrot im Gesicht und ich spürte durch die Leine ihren Puls. Sie hat dann prompt vergessen, mich zu loben, was der Doc ihr dann sagen musste. Leider haben ihre Ohren durch den Schock versagt, so dass sie verstanden hat, wir wären durchgefallen. - Ich und durchfallen!?! Pah, locker bleiben Baby! Der Doc fand das vollkommen natürlich, dass ich bei so einem dreisten Fremden so reagiere. Wer hat schon gerne die Nase eines Fremden im Gesicht? Die Leckerlis haben mich an dem Tag nicht interessiert. Ich habe gezogen und wollte das Ganze nur schnell hinter mich bringen, damit meine hysterische Patin wieder runterkommt. Natürlich haben wir bestanden (wie auch all meine anderen Kollegen) und die ganze Bauchtasche voller Frolics, Gouda und Schinkenwurst hab ich zur Belohnung im Nachhinein bekommen. Liebe geht eben durch den Magen. |
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9. Rocky wandert aus
Nachdem wir den Wesenstest bestanden haben, musste Rockys Patin Steffi aus beruflichen Gründen ins Bazi-Land ziehen. Das war echt schlimm für ihn und der Abschied tat beiden weh. Nun hatte er keine Stammpatin mehr, da die ja schon andere Staffs hatten. Da hat sich mal wieder ein Sprichwort bewahrheitet "und wenn Du glaubst es geht nichts mehr - kommt irgendwo ein Lichtlein her" (oder so ähnlich). Das Lichtlein kam aus Belgien und war für Rocky ein dicker Sonnenstrahl: Buffy und ihre Familie. Da Buffys Freund gestorben war, suchten ihre Menschen einen neuen Mann für sie. Passend zu ihrem dalmatinischen Fell und ihrem staffigen Körper fand sich Rocky! Klar, auf den stehen alle Frauen, weil er so klein und niedlich ist. Selbst meine Patin hatte vor mir eine kurze Affäre mit ihm. Da er aber mehrere Frauen hatte, war er meist vergriffen, wenn sie im Heim eintrudelte. Gut für mich, denn ich war immer übrig!
Also gut, bei Buffy und Rocky hat es mächtig gefunkt und nach kurzer Zeit hat Buffys Familie adoptiert und ihn mit nach Belgien genommen. In Belgien sind die Gott sei Dank nicht so furchtbar bürokratisch wie hier in Deutschland, so dass er dort easy einreisen konnte. Sandra hat dann nach einigen Wochen den üblichen Kontrollbesuch nach der Vermittlung gemacht. Rocky hat sie zur Begrüßung total abgeknutscht und ihr danach sein Haus mit Garten und seine neue Familie gezeigt. Der hat wahnsinnig viel Schwein gehabt! Eine süße Braut, mit der er Körbchen und Napf teilt und nette Menschen, die ihn verwöhnen. Ich will auch!!! Rocky hat dann auch einen Brief ans Heim geschickt. Also liebe Leser, falls sie in Belgien wohnen . ich wäre bereit und würde sofort mein Köfferchen packen! Und Pommes esse ich auch gerne (falls dies bei der Vermittlung von Nutzen wäre)! |  |
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10. Ich brech die Herzen der stolzesten Frauen!
Heute habe ich was total Cooles erlebt: trotz der Kälte saß ich gerade genüßlich in der Sonne, als ich die Tierheimleiterin entdeckte, die auf dem Hof herumstand und ein Brötchen aß. Sofort fiel mir ein, mal meine Fähigkeiten als Hypnotiseur zu testen. Ich fixierte sie, beugte langsam, langsam meinen Kopf zur Seite und schickte den hypnotischen Befehl zu ihr: "Komm zu mir und gib mir von Deinem Brötchen ab." Ihr müsst dazu wissen, dass die Tierheimleiterin eine ganz Knallharte ist bezüglich Leckerchen, da muss schon ein Wunder passieren, dass die mal was Leckeres spendiert. Also ich schickte weiter den Befehl und tatsächlich setzte sie sich in Bewegung - kam direkt auf mich zu - ich beugte meinen Kopf noch weiter nach rechts - sie riss ein Stück vom Brötchen ab - und gab es mir!!! Ich hypnotisierte weiter: "lecker - gib mehr" und sie gab mir noch ein Stück und entschuldigte sich dann, dass sie nun nichts mehr habe. Also entließ ich sie aus meinem Bann. | |
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11. Armes altes Säckchen
Der Winter war diesmal ja ziemlich hartnäckig - für Weicheier! Für so coole Typen wie mich ist Schnee ein tolles Spielzeug. Man kann sich drin wälzen und sieht nachher aus, wie mit Puderzucker bestreut. Meine Freundin Daliah macht dann immer so witzige Sachen wie Schneeflocken-Wett-Fangen. Andere Staff-Kumpels schwächeln bei den Temperaturen lieber etwas vor sich hin. So z.B. das arme alte Säckchen Sioux! Der alte Indianerhäuptling zittert ja dauernd und will nicht so gerne spazieren, wenn das Wetter nicht stimmt (alles Masche, damit seine Patin Susanne, wir nennen sie in Insider-Kreisen "Siouxsanne" ***, ihn noch mehr tüddelt).
Also hat Siouxsanne ihm ein Jäckchen gekauft! Nun kommen beide im Partnerlook in hellgrünen Jäckchen dahergeschritten. Ich muß mich immer zusammenreißen, wenn die uns entgegenkommen, weil es so witzig aussieht. Reine Körperbeherrschung, damit ich nicht losprusten muß! Sieht dann sicher komisch aus, wenn ich mit vorgehaltener Pfote grüßend an ihm vorbeilaufe. Aber, wir werden alle nicht jünger. Wenn ich alt bin und immer noch im Heim wohne (will ich ja nicht hoffen!) wird Sandra sich auch bestimmt was für mich einfallen lassen. Aber bitte nicht in grün!! Und hoffentlich keine Moonboots! Siouxsielein hat seine Patin mit dieser Tour allerdings geknackt: sie hat extra ein Haus gekauft, damit er zu ihr ziehen kann!! Ist das nicht der Hammer. |  |
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12. Daliah
Beim letzten Mal habe ich ja meine schneeschnappende Freundin Daliah erwähnt. Tja, Daliah und ich haben uns in der Hundeschule kennen gelernt. Seitdem gehen wir zusammen spazieren. Mal zusammen mit Sioux, Maggie, Zeus, Xena. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass mir die anderen Hündinnen nichts bedeuten, während mein Herzchen immer doppelt so schnell schlägt, wenn ich Daliah sehe. Ihre Patin Kirsten holt sie auch immer aus dem Zwinger, wenn Sandra mich holt und dann warte ich immer am Tor, weil Daliah auf dem Hof immer vor Freude hüpft und dabei in die Leine beißt. Ich sag mir immer: reines Kompensationsverhalten, da sie aufgeregt ist, wenn sie meinen Astralkörper erblickt. Verständlich! Nun gut, mir geht es innerlich ja ähnlich, aber ich zeige das nach draußen natürlich nicht so. Also Daliah ist einzigartig: sie hat ein normales Staffohr und ein Stehohr. Sieht rattenscharf aus! Coole Schnitte! Sie hat meist schwarze Haare, die ihr feuriges Temperament unterstreichen. Allerdings ist sie auch ein Luder, denn sie hatte schon einige Männer vor mir. Mit dem Janosch war sie lange zusammen im Freilauf und dann eine kurze Zeit mit Teddy. Beide Jungs sind schon lange vermittelt und Daliah ist immer noch hier. Also -¦ ich würde sie sofort adoptieren ;-))
Wir haben sogar schon Halsbänder im Partnerlook, da die Freundschaftsringe immer von unseren Pfoten gerutscht sind.Erst gingen wir immer nur zusammen her, aber seit ein paar Wochen kommt sie immer in meine Nähe, wenn ich an einem Grashalm schnupper und ich lauf schon mal wie zufällig gegen sie. Unsere Patinnen sind immer super vorsichtig, damit nichts zwischen uns passiert. Aber wir sind vollkommen locker im Umgang miteinander. Kommt aber daher, dass Daliah schon mal von nem anderen Typen kräftig eins auf´s Maul bekommen hat. Asozial, diese Machos, die Frauen schlagen! So bin ich doch nicht!! Nee, nachts wenn ich in meinem Körb- chen liege träume ich davon, wie ich mit Daliah im Körbchen liege und zärtlich an ihrem Stehöhrchen knabber. Hmmm! Die Vorstellung ist doch das Schönste und wer weiß, vielleicht lassen unsere Patinnen und die Pflegerinnen uns doch mal zusammen wohnen... |  |
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13. Ingor der Voodoo-Heiler
Von meinen hypnotischen Fähigkeiten hatte ich Euch ja schon berichtet. Da ich aber super vielseitig bin, erzähle ich heute was über meine heilende Aura. Meine Patin arbeitet in der Sparkasse und sitzt da den ganzen Tag rum, um Ihren Kunden was zu verkaufen. Dabei strengt sie sich so an, dass sie oft Rücken- und dadurch auch Kopfschmerzen hat. Wenn sie dann Feierabend hat, kommt sie zu mir, wir gehen eine Weile, ich ziehe nach rechts, dann abrupt nach links, ziehe nach vorne oder wieder zurück, weil ich an einer Wunderpflanze nachlesen will. Dabei redet sie immer mit mir und erzählt, worüber sie sich den Tag über geärgert hat. Wenn sie mich dann nach der Sitzung wieder zurückbringt ist sie meist geheilt und hat einen beseelten Ausdruck in den Augen. Dies sehe ich als ganzheitliche Therapie an und bin sicher, dass jede Massagepraxis im Umkreis dicht machen kann, wenn sich die Wirkung meiner heilenden Aura erst mal herumgesprochen hat. Außerdem ist meine Praxisgebühr mit den 6 Euro Patenbeitrag p.M. wesentlich niedriger, als die des Orthopäden!
Fazit: Schaffen Sie sich einen Hund an (am besten mich) und die Gesundheitsreform kann Ihnen was husten! | |
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14. Umbau auf dem Tierheimhof
Seit einigen Monaten ist es auf dem Hof interessanter geworden. Von meiner Terrasse mit Hofüberblick beobachte ich Männer in Latzhosen, die Werkzeug mit sich rumschleppen. Mal kommt einer, der Farbe an die Wände schmiert, dann wieder einer, der mit Metallstäben rumbastelt, ein anderer schleppt Fliesen in die verschiedenen Häuser. Es ist also immer was zu sehen. Vorher waren alle Gebäude grau oder matschgelb, nun werde ich morgens alleine schon durch das Hellgelb des Pflegerraums wach, das mir entgegenleuchtet. Die Häuser der Objekte meiner Begierde sind Toskanaorange gestrichen. Sicher, damit ich sie besser auseinanderhalten kann. Hi Katzis - ich komme! Ups. Die eingebildeten Schnösel haben nun Freiläufe aus Metallstäben bekommen, wo sie provokante Tabledance-Einlagen auf den Liegebrettern abziehen. Man sieht ihnen an, dass uns Hunde gerne in Rage bringen, denn sie wissen ja, dass wir sie sehen, aber nicht anknabbern dürfen. Wie gemein! Asena und Bill sind bald mit den Nerven am Ende. Die wohnen direkt gegenüber vom Katzenfreilauf 2. Nur 2 Meter bis zum Objekt der Begierde. Und meistens sitzt die puschelige Josie draußen und macht faxen. Als Ausgleich für unser strapaziertes Nervenkostüm hab ich gehört, dass unsere Hundehäuser auch bald renoviert werden. Ich persönlich hätte gerne Terrakottafliesen, apricotfarbenen Querbeetputz und ein flauschiges Sofa in meinem Zwinger. Ob mein Wunsch in Erfüllung geht, werde ich Euch berichten. |  |
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15. Daliah Teil 2 - Liebe mit Hindernissen
Nachdem alle unsere heimlichen Wünsche nach körperlicher Nähe erhört hatten, kam der Tag der Tage: Daliah und ich sollten zusammenziehen. Wow!! War ich ufgeregt. Die Pflegerinnen hatten mitsamt Tierärztin einen tollen Freilauf für uns ausgesucht in dem wir bis ans Ende unserer Tierheimtage zusammenleben sollten...wie omantisch....Wir betraten unser neues Heim, spielten, hatten Spaß, bis...ja bis ich merkte, dass Daliah zu anstrengend für meine eingefleischten Single-Nerven war. Was ich ja nicht wusste war, dass sie ihre Patin Kirsten im Freilauf immer so stürmisch begrüßt, beim Rausholen in die Leine beißt, an ihr hochspringt und lauter Faxen macht. Ist ja ganz nett für eine kurze Zeit, aber liebe Männer, unter uns gesagt: wer ist nicht genervt, wenn eine Frau von einem fordert: bring den Müll runter, geh mit mir Schuhe kaufen, warum hast Du den Schreibtisch nicht aufgeräumt, Du musst Dich mal waschen....hey, bei aller Liebe, aber nach meinem 7 jährigen Single-Dasein musste ich ihr mal klarmachen, dass ich auf sowas nicht stehe. Ich bin doch kein Waschlappen!! Also sagte ich: Daliah, wir wir müssen mal in Ruhe reden! Aber nee: blablabla faselte sie ununterbrochen weiter....dann hab ich die Puppe mal aufs Kreuz gelegt und ihr mein Bedürfnis nach Ruhe und Ausgeglichenheit erklärt....
Die Pflegerinnen samt Ärztin popelten uns auseinander und brachten uns erst mal in Ruheräume, wo wir uns wieder beruhigen sollten. Unsere Patinnen kamen herbeigeeilt, um uns die nötige psychische Unterstützung zu geben. Wie Schwiegermütter nach einer zerbrochenen Beziehung hörte man über die Zwingermauern hinaus, die gegenseitigen Mutmaßungen, wer denn nun Schuld an der plötzlichen Scheidung sei. Egal, Daliah und ich sind weiterhin gute Freunde geblieben und gehen weiter zusammen spazieren (zur Versöhnung habe ich ihr einen eigenpfötig geschlagenen und geschmückten Maibaum gesteckt). Unsere Beziehung gleicht nun einer Wochenendehe und wie bei Euch Menschen leben manche Paare von der Distanz. Wenn Ihre Frau Ihnen auch auf den Nerv geht, stehe ich gerne als kompetenter Ansprechpartner zur Verfügung. |  |
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 | 16. Ingor goes to Hollywood
Wow, ich wusste schon immer, dass ich ein Star bin, aber das Hollywood das Tierheim zwecks Filmaufnahmen für mich anruft, hätte ich dann doch nicht gedacht.
Am 12.08.05 bekam ich neue Hosenträger angezogen und meine Patin holte mich schon morgens um 8 h zum Spaziergang. Der große weiße Transporter wurde mit einer Box für mich hergerichtet, da Hollywood ja weit weg ist und ich die Fahrt über sicher liegen sollte. Als ich in den Wagen gesprungen bin, musste ich feststellen, dass meine Spitz-Kollegen auch mitreisen sollten. Was wollen die denn beim Fernsehen? Sicher nur Statisten. Im roten Transporter fuhren dann auch noch 2 Katzen und Chinchillas mit. Hmmm, sicher als Snack für zwischendurch..ups.. |
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 | Da diese Fahrt so extrem wichtig war, diente der Vorstands-Lutz als mein Chauffeur. Ehre, wem Ehre gebührt! Yes, well, und los ging´s...in Köln fuhren wir dann von der Autobahn schon runter. Wie schon da? Ach nee, jetzt gehts bestimmt ins Flugzeug - nach Hollywood fliegt man doch! Ich vergaß. Aber kurze Zeit später blieb das Auto stehen - in Köln-Bocklemünd! Aha, der Film sollte beim WDR gedreht werden. Mal sehen, was diese Provinz-Filmleute so drauf haben Nachdem mein Frauchen Kater Klitschko gesäubert hatte (der hatte vor Aufregung in die Hosen gemacht, hihihi, könnt einem Profi wie mir nieee passieren!), haben wir eine Entdeckungstour auf dem Filmgelände gemacht. |
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Da waren viele Leute vom Fernsehen und von anderen Tierschutzvereinen und weil die alle wegen mir gekommen sind, hab ich sie zur Begrüßung der Reihe nach angesprungen und abgeschleckt (Autogramme kann ich ja nun nicht geben). Dann kam sie: Claudia! Die ist auch sehr berühmt, da sie die Sendung "Tiere suchen ein Zuhause" moderiert. Da Claudia im Fernsehen neben mir nicht untergehen wollte, hat sie ihren Friseur und Visagisten kommen lassen. Bei unserem ersten Date hatte sie noch Lockenwickler im Haar. Schon ein wenig peinlich, aber ich habe trotzdem Bussis gegeben. Komisch nur, dass die die Spitze und die anderen Hunde auch so nett begrüßt hat. Sei es ihnen gegönnt. Dann kam eine Star-Fotografin, die uns alle fotografiert hat. Da Lutz in dem Film auch mitspielen sollte, sah sein Gesicht auch ziemlich steif vor Puder aus. Wahre Schönheit braucht keine Schminke. Deshalb durfte ich noch weiter spazieren gehen. |  |
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 | Da der Auftritt so wichtig war, ist noch ein Vorstandsmensch mitgefahren, der als Hubsy auf dem Hof bekannt ist. Mit ihm bin ich dann durch die Lindenstraße marschiert in der Hoffnung Mutter Beimer hätte was Leckeres gekocht. Die war aber nicht da und das Akropolis hatte auch zu. Wie doof.
Nun begann eine lange Wartezeit. Ich wusste noch nicht, welche Rolle und welchen Text ich lernen sollte. Dann muß ich eben improvisieren. Frauchen und ich standen total ungeduldig vor der Studiotür, denn jeden Moment sollte es losgehen. Die Vorständler und die Katzenbetreuer waren schon im Studio (vielleicht eine Kochsendung?). Es kamen immer wieder Leute raus, gingen rein, dann sollte ein Mix von einem anderen TSV rein, dann endlich die Spitze, die ganz spitzisch anfingen rumzukläffen, grrr, kann es nicht bald mal losgehen? Ja, die blonde Assistentin von Claudia nahm mich in Empfang, während Frauchen sich die Aufnahmen der Amateure ansah und schwups schob man mich auf die Bühne. Wie unprofessionell so ohne Vorbereitung. Ich sah mich um, schnüffelte mal und Ende. Die Regiefrau meinte, die Spitze müssten noch mal gefilmt werden, weil Claudia nicht deutlich genug gesagt hat, dass die beiden nicht als Paar zusammenbleiben müssen. Hm, ich wieder mit Frauchen raus, kurz über die Wiese gerannt und wieder rein zu Claudia. Inzwischen hatte ich mir eine Rolle ausgedacht und bin ihr wie ein stürmischer Liebhaber in die Arme gesprungen. Mein Filmkuss war unnachahmlich! Nennt mich Rhett Butler! Unromantisch an der ganzen Sache war, dass Lutz auf so einem lächerlichen Strohballen neben uns saß. Als ich das merkte, war mir die Lust an einer Liebesszene vergangen und ich versuchte Lutz vom Sockel zu reißen, damit ein wenig Komödie noch mit einfließen konnte. Die beiden redeten über mich, meine Herkunft, meinen Wesenstest und über mein zukünftiges Zuhause. Aha, ich war bei einer Aufzeichnung zu "Tiere suchen ein Zuhause" gelandet. Nun gut, wenn es meiner Zukunft dienlich ist, gebe ich mich auch mit einer kleineren Rolle zufrieden. Spannend war es auf jeden Fall. |
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Eine Woche später kamen wir dann alle ins Fernsehen (auch die Katzen und Chinchillas, die doch nicht als Snack dienen sollten). Aufregend war, dass ich dann zum Telefondienst mit ins Büro durfte. Frauchen und die Streuner-Sandra meinten, dann könne ich mit meinen Interessenten selbst telefonieren und mir die nettesten Aussuchen. Vor Spannung lief ich erst mal 10 Runden um den Schreibtischblock und wartete auf meiner Decke, was so passiert. Leider hatte der Papst an dem Tag das ganze Fernsehen gebucht und unsere Sendung wurde zeitlich verschoben gesendet. Somit kamen wenige Anrufe (und keiner für mich, snief). Katze Piggy war schon umgezogen, die Plüschi-Spitze wollten auch einige adoptieren, ebenso die Chinchis und Kater Klitschko und ich gingen leer aus. Na ja, dafür hatte ich einen abwechslungsreichen Tag in Kölle und einen netten Abend im Büro, von dem Frauchen meinte, dass ich mich wirklich prima benommen hätte. Hat sie etwa daran gezweifelt? |  |
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17. Sommerfest
Jedes Jahr gibt es hier ein dickes Event: das Sommerfest. Ende August bricht hier der Arbeitswahn aus: Unkraut wird gezupft, Blumenkübel aufgestellt, alles wird aufgeräumt und schön gemacht, denn viele viele Besucher kommen jedes Jahr, um sich hier mal umzusehen. In diesem Jahr werden sie hier viel Neues zu sehen bekommen, da ja fast alles renoviert wurde.
Am ersten Sonntag im September war es dann wieder so weit: um 8 Uhr wurde ich von meiner Patin schon aus dem Schlaf gerissen und zum Spaziergang ausgeführt. Danach wurde der Weg hinter dem Hundehaus und vor unseren Freiläufen abgesperrt, damit es dort nicht zu hektisch für uns wird. Damit wir aber was mitbekommen, haben meine Freilauf-Nachbarin Daliah und ich uns einen Monitor hingesetzt und über die Hofwebcam, die ich heimlich in der Nacht zuvor installiert habe, beobachtet, was auf dem Hof so abgeht. Mit einem kühlen Wässerchen haben wir es uns dann in unseren Körbchen so richtig gemütlich gemacht und unsere Paten, Pfleger und den Vorstand bei 30°C mal für uns schuften lassen. Denn jeder Euro, der bei dem Fest reinkommt, sichert unsere Mahlzeiten. Getränke flossen in Strömen, Kuchen, Suppe und Blumen wurde verkauft, Kinder wurden wie Tiere bemalt, die Pfleger informierten über alles Mögliche was mit uns Tieren zusammenhängt, die Katzenhäuser und das Kleintierhaus wurde von jeder Menge Menschen besichtigt (da wäre ich auch gerne bei gewesen…pst!).
Dann gibt es noch den Tombolawagen, wo Daliahs und meine Patin immer drauf stehen, und die Gewinnlose einlösen. Wenn die Gewinne nicht abgeholt werden, brüllt unser Ober-Lutz gegen 17 Uhr immer furchtbar laut ins Mikro. Das nennt sich dann „Versteigerung“, obwohl ich es als Trommelfellerschütterung bezeichnen würde. Nun gut, wenn es uns Geld bringt, müssen wir eben mal eine Stunde Oropax tragen. Und wirklich, der Talkmaster bringt alle nicht abgeholten Gewinne an den Mann und lockt den letzten Cent aus den Bietenden raus. Gut gemacht Lutzi-Baby!!
An dem Abend sind dann alle Beteiligten immer total k.o., aber glücklich, dass so viele Besucher da waren, die unseren Verein und damit den Brötchengeber aller Tiere unterstützt haben. |  |
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18. Fremdlinge
Als wäre der Tag des Sommerfestes nicht aufregend genug gewesen, passierte am Tag danach etwas, was ich erst jetzt verstanden habe. Meine Patin holte mich zum Spaziergang ab und faselte was von Abschied und Urlaub. Hmm, verlässt sie mich um irgendwo in der Sonne zu liegen? Wie doof, aber wird ja nicht ewig dauern. Also marschierten wir los und hielten sofort wieder an, als ein schicker Wagen mit einem sehr netten Ehepaar ausstieg. Ach, klar, die waren doch in den letzten Wochen schon zweimal da. Einmal sind wir mit denen ein Stück spazieren gegangen und meine Patin hat sich danach noch lange auf dem Hof mit dem Mann unterhalten, während ich mit der Frau über den Hof spaziert bin. Ich dachte, ich mach mal eine Hofbesichtigung mit der Fremden. Sie war allerdings mein Tempo nicht gewöhnt, so dass stille Beobachter die Aktion ganz witzig fanden.
Eine Woche später kamen die Leute noch mal, allerdings ohne meine Patin. Sicher konnte sie nicht und hat die Leute als Vertretung angeheuert. Nun kamen sie wieder und waren sicher enttäuscht, dass ich schon unterwegs war. Sie gingen mit uns und Sandra übergab der Frau die Leine, weil die Frau ganz neidisch guckte. Das tat der Frau, nennen wir sie Trudi, dann auch wieder leid (ja Mädels, ich kann mich ja schlecht teilen!! Aber ich verstehe schon, dass sie sich um mich reißen!) und gab Sandra die Leine zurück, weil sie meinte, es sei ja das letzte Mal. Huch, was hör ich denn da? Eine Spätfolge meines geplatzten Trommelfells?? Kann doch nicht sein, oder will Sandra etwa nicht nur in Urlaub, sondern etwa auswandern? Auf jeden Fall waren alle aufgeregt. Der Mann, nennen wir ihn Emmi, erzählte viel von Behörden und von einem extra weichen Deckchen, dass sie für mich gekauft haben. Ach, das ist aber nett. Geschenke nehme ich gerne an. Ich hab ja nicht alles verstanden, weil es so warm war und ich mich immer wälzen musste, aber irgendwie ging es immer um mich und wie toll ich bin (als ob ich das nicht wüsste!! Aber wenigstens merken es mal die anderen!). Wieder im Heim angekommen brachte man mich nicht in den Freilauf zurück, sondern wir warteten vor dem Büro in das Trudi und Emmi gegangen sind.
Langsam kam es mir komisch vor und vor allem, weil Sandra so seltsam sentimental war. Unsere Bürofrau Silvia kam dann auch noch raus und meinte ich „soll es gut machen!“. Ja, gerne, aber was denn genau??? Komplett von der Rolle war ich dann, als Trudi und Emmi mit einem riesigen Körbchen wieder kamen und Sandra die Leine abgenommen haben. Ein letztes Mal wurde ich von ihr gedrückt und gebusselt und schwups, verließ ich mit dem netten Pärchen das Tierheimgelände während Sandra zurückblieb und sich von ihrem Mann trösten lassen musste. Da es sonst immer im Heim so langweilig ist, waren die letzten beiden Tage hier Action pur und ich ging mit den Leuten zu deren Auto, um vielleicht noch andere spannende Sachen zu erleben. Und wenn Sandra denen die Leine übergibt, müssen die schon sehr nett sein und es mit mir gut meinen. Sicherlich hat sie gedacht, dass ich auch mal Urlaub machen soll, wenn sie schon wegfährt. Also auffi ins Neuland. |  |
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 | 19. Mein Kurzurlaub im Westerwald
Nach zwei Stunden Fahrzeit sind wir im Westerwald angekommen. Ja, nett, hier kann man mal ein paar Tage entspannen. Ich durfte sogar mit denen ins Haus und sie stellten dort auch das neue Körbchen hin, das mein Schlafplatz sein sollte. Kein Gebell von anderen Hunden, sondern ungewohnte Ruhe und immer waren die beiden Leute bei mir. Da muß ich meiner Daliah doch mal eine Ansichtskarte schicken, damit die hier auch mal Urlaub machen kann (oje, ich hab mich ja gar nicht von ihr verabschiedet!!). Die Spaziergänge waren auch schön, weil man mal was anderes sieht, als immer die olle Krefelder Straße am Heim. Die meiste Zeit verbrachte ich mit Emmi, da Trudi arbeiten ging. Wir verstanden uns super und ich bin ihm bis aufs Klo gefolgt (ich musste aber draußen warten), weil ich immer bei ihm sein wollte. Ich wusste ja nicht, was ich sonst machen sollte. Aber trotzdem war alles so fremd und neu und in einem Haus habe ich ja schon seit 3 Jahren nicht mehr gelebt (bis auf die wenigen Stunden, die ich mal als Bürohund verbringen durfte).
Mein ganzer Tagesablauf war anders als im Heim. Es kamen auch keine Pfleger zum Füttern und keine Sandra zum Spaziergang. Meine Hundekumpels waren auch weit weg und irgendwie war ich aufgeregt. Als ich dann mal neben Trudis Schreibtisch lag und sie mit der Hand auf mich zukam, konnte ich nicht einschätzen, was sie will und hab mich erschreckt. Zu Emmi hab ich in den nächsten Tagen eine coole Männerfreundschaft aufgebaut, aber Trudi konnte ich nicht so einschätzen. Als sie mich eines Abends anfassen wollte, als ich auf meiner Decke lag, dachte ich mir: Angriff ist die beste Verteidigung und hab ihr mal richtig einen Schrecken eingejagt und sie angeranzt. Wir wussten anscheinend beide nicht, was wir von einander halten sollten. Emmi war dann auch sauer, weil er meinte, ich hätte mich im Ton vergriffen und ich war sauer, weil ich dachte, er wäre mein Freund. Von da an war die Stimmung echt im Eimer. Am nächsten Tag war alles nicht mehr wie vorher und mittags stiegen wir alle 3 ins Auto. Vielleicht ein Versöhnungsausflug??
Die Fahrt dauerte ziemlich lange und irgendwann standen wir vor dem Tierheim-Tor. Aha, der Kurzurlaub war aus? Wie schade, ich wäre doch gerne noch geblieben! Sandra stand auf dem Hof und empfing mich. Einen kleinen Anflug von Vorwurf konnte ich ihrem Gesicht ansehen. Trudi und Emmi erzählten vom Vorabend und es war mir etwas peinlich. Vielleicht hat Trudi es ja nicht so gemeint, als sie anfing zu weinen tat es mir dann auch schrecklich leid und ich kam mir sehr mies vor. Dann kam ich in einen der Zwinger und saß dort wie ein Häufchen Elend. Alles, was ich seit 3 Jahren hier nun kannte, kam mir grässlich vor. Dabei war ich doch nur knapp eine Woche weg. In den nächsten Tagen schmeckte mir das Essen nicht mehr und ich war sehr deprimiert. Da halfen auch die täglichen Spaziergänge mit meiner Patin erst mal nicht. Jetzt verstehe ich auch, warum Silvia gesagt hat, ich solle es „gut machen“. Ja, aber man hätte mir doch sagen müssen, was für mich auf dem Spiel stand und mir auch etwas Zeit zugestehen sollen, zu den Leuten Vertrauen zu fassen ... einen alten Baum verpflanzt man nun mal nicht so einfach. Wenn ein Mensch in eine andere Stadt zieht oder einen neuen Job übernimmt, ist es für den doch auch nicht sofort alles easy: er muß sich auch erst an die neue Umgebung und an die neuen Nachbarn oder Kollegen gewöhnen. Als Mensch hat man auch den Vorteil, dass man Erklärungen bekommt, warum dies oder jenes so ist, aber ich fühlte mich nur fremd, unsicher und hilflos. Meine Patin kenne ich gut und sie mich auch. Sie sieht mir jede Stimmung an, aber das dauerte ja auch eine Weile und nicht nur einige Tage. Jetzt ist es zu spät, wenngleich ich meinen Kumpel Emmi erst mal sehr vermisst habe und Trudi war ja auch nicht so verkehrt. Es hätte so schön sein können ... nun sitze ich wieder im Freilauf neben Daliah, die mich durch das Gitter sehr getröstet hat und wir gehen wieder regelmäßig miteinander spazieren.
Meinen Ausflug verdränge ich, um ihn zu vergessen und finde mich langsam damit ab, dass das Tierheim wohl mein ewiges Zuhause sein wird. Findet sich denn niemand, der sich Zeit nimmt, um mich kennen zu lernen und meine Qualitäten entdeckt? Ich erwarte doch nicht zuviel, sondern nur Geduld, Verständnis und jemanden, der die Hundesprache versteht (und die kann sicher jeder lernen, wenn er will!). Wir Hunde sind doch eigentlich wie ein offenes Buch! Nun liege ich in meiner Hütte und bete jeden Abend zu den lieben Hundegott, dass ich noch einmal die Chance auf ein schönes Zuhause bekomme. |
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20. The Winner is ... Spike
Nachdem ich mich eben mit meinem Schicksal wieder etwas arrangiert habe und eben damit leben muss, weiter hier zu wohnen, habe ich den typischen Tagesrhythmus wieder aufgenommen. Morgens Daliah durchs Gitter wecken, frühstücken, Verdauungsründchen durch den Freilauf starten und warten, was der Tag noch so bringen mag. Immer wieder kommen neue Kollegen an: entweder ist Herrchen verstorben, der Vermieter hat was gegen Hunde oder die Familie hat einfach keinen Bock mehr auf den vierbeinigen Freund. Für einige ist es sogar eine Verbesserung, nämlich wenn das Zuhause vorher nicht so toll war. Interessant zu sehen, wer da alles ankommt: Babys, Tattergreise, hübsche Bienchen, schnöselige Burschen, Großmäuler und Heulsusen (letztere erweichen meist sofort die Paten- und Interessentenherzen und sind schnell wieder weg….sollte ich vielleicht auch mal machen…). Kernige Typen, wie ich einer bin, lassen die meisten links liegen, weil sie denken, wir hätten keine Gefühle – Error!! Na ja, will ja nicht dauernd meckern. Meiner Schnecke Daliah geht es da ja auch nicht anders. Alle paar Monate kommt mal wer, interessiert sich für sie, vereinbart ein Date … und kommt nicht mehr. Na, super!
Manche, die die Hoffnung auch schon aufgegeben hatten, haben dann doch noch einen Sechser im Lotto gelandet, wie unser Nasenbär Spike (sorry Spike, aber Bullis haben eben eine dicke Nase). Nach fünf (!!!) Jahren Einzelhaft im Zwinger, weil er als unverträglicher Hund abgegeben wurde, wo er seine Decke zum besten Freund erkoren hat und mit dieser dauern im Kreis rumgelaufen ist, lebt er nun mit 2 Nasenbärinnen zusammen!! Wahnsinn, da kommt mal einer, der Bullis liebt, Ahnung hat und zack – hat Spike (der nun Nike heißt) ein Zuhause. | |
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 | 21. Toto
Eines schönen Tages im Oktober 2005 kam wieder ein Neuling. Erst wusste ich nicht, ob er ein Hund oder eine Fledermaus oder doch ein Hase ist, aber irgendwie kam er mir bekannt vor….was war es nur? Da er eine Leine trug und in einen Hundezwinger kam, musste es einer von uns sein. Man rief ihn Blacky, obwohl von black nichts zu sehen war…nun gut, die Nasenspitze war natürlich schwarz, aber sonst…(entweder waren die Besitzer farbenblind oder ...eh, wie soll ich sagen…bei der VHS gibt es auch Englischkurse…). Das half mir aber auch nicht weiter, beim Kramen in meinen Hirnwindungen, woher ich dieses komische Gesicht mit den Riesenohren kannte. Hmm, meine Patin würde mir sicher weiterhelfen, wenn sie mich besuchen kommt. Plötzlich hörte ich ihre Stimme aus dem Hundehaus, wo dieser Typ saß und ein entzücktes „jaaa, er ist es….Toto!“ Hä? Toto??? GRRR. Der Name löste in Sekundenschnelle meine Hirnblockade: Toto war doch dieser Hallodri aus Spanien, dieser Julio Iglesias für Hundedamen….und für meine Patin. Nein, dieser Knilch hat sie schon mal ganz kirre gemacht, als er vor über 2 Jahren eingeflogen wurde und einige Wochen auch hier im Heim wohnte, bis er vermittelt wurde. Da hat sie immer noch eine Runde mit ihm gedreht, wenn ich schon im Zwinger saß und hat danach mit ihm gekuschelt. Mann, war ich froh, als der Typ weg war – und nun kommt er wie ein Bumerang zurück. Och, nö, womit hab ich das denn verdient?? |
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Es kam, was kommen musste…nach unserer gemeinsamen Runde ging sie fremd – natürlich mit IHM! Und am folgenden Sonntag dann die Härte: ihr Mann, der Hubsy, kam, um mich zu holen und sie – sie stand auf dem Hof mit diesem Toto. Nicht das ich den Hubsy nicht mag, er hat schließlich den Sachkundenachweis nur wegen mir gemacht, damit er Sandra mal vertreten kann, aber ich war schon traurig, dass sie mich wegen diesem Casanova sitzen ließ! Hubsy musste bei mir die Wunden meiner verletzten Seele lecken. Das ging nun einige Wochen so, bis auch andere Patinnen, wie die Streuner-Sandra und Michaela, diesem Schwerenöter verfallen waren. Gut so, dann hatte ich sie wieder für mich.
Da er sehr verträglich sein sollte, wurde er mit Aysha verkuppelt, die ihm gezeigt hat, wo es lang geht. Beide lebten nun im Freilauf und Toto wurde bei jedem Schritt kontrolliert. Dem freiheitsliebenden Spanier war dies jedoch nicht genug, so dass er über den Zaun zum Kollegen Streuner sprang. Oweia, Streuner wunderte sich über den Eindringling, fand es aber o.k., weil es dann nicht mehr so langweilig war. Welche Impertinenz dieser Bursche besaß, zeigte sich wenige Tage später, als er von Streuners Freilauf in den von meiner Daliah rüberhüpfte! Erst meine Patin und dann noch meine Braut!!! Aber auf meine Daliah kann ich zählen, die hat ihm so die Hölle heiß gemacht, dass er sie danach nie wieder besucht hat! Inzwischen gehen wir wieder ohne Toto spazieren, denn er hat, wie es sich für einen Schleimer gehört, ein neues Zuhause gefunden und ich hoffe, dass er für immer da bleibt. |  |
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22. Nachruf - Ein mieser Jahresbeginn...
Im letzten Kapitel habe ich Aysha erwähnt, die mit Toto zusammenlebte. Aysha war eine nette, ruhige Staff-Kollegin, die damals mit ihrem Rotti-Pflegesohn Cassius im Heim eingezogen ist. Cassius fand ein Zuhause - Aysha leider nicht mehr.....
In Michaela hatte sie eine zuverlässige Patin gefunden, die sie sehr gern hatte und mit ihr viel spazieren ging. Einmal erzählte Aysha mir, dass Michaela sie sogar zu sich nehmen wollte, wenn sie umgezogen ist. Es freute mich für sie, denn jeder Staff mit Perspektive ist ein glücklicher Staff. Im Januar gingen wir abends zusammen mit ihrem Lebensgefährten Toto spazieren und alles war in Butter. Am nächsten Tag, dem11. Januar ist Aysha dann im Freilauf tot umgefallen…. einfach so…ohne Anzeichen…ohne Abschied….ohne Zuhause….Es war ein Schlag für jeden an dem Abend, da damit keiner gerechnet hat. O.k. über den Tod denkt man ja nicht täglich nach, aber treffen kann es jeden. Nur gut, dass man selbst den Zeitpunkt nicht kennt und gut, dass Aysha nicht lange leiden musste – im Gegensatz zu Pitt.
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 | Pitt erhielt wenige Wochen vorher eine schreckliche Diagnose vom Tierarzt: Lymphdrüsenkrebs…keine Chance auf Heilung. Er lebte noch gut zwei Monate, in denen er noch regelmäßig spazieren ging und ständig beobachtet wurde, schließlich sollte er nicht leiden. In den ganzen Jahren hat er auch keine Familie gefunden, die ihn nehmen wollte – alles nur, weil diese schreckliche Politik und Rassenhysterie uns zu „Kampfhunden“ abstempelt.
Rottweilerin Kessi, die einige Monate bei uns lebte und auch zu den „Anlagehunden“ zählt, starb am 01. Februar im Heim an Krebs. Auch wenn man im Heim alles versucht, um den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, ersetzt dies alles keine Familie und kein Zuhause. Pitt wurde am 17. März in den Hundehimmel geschickt, da die Krankheit so weit fortgeschritten war, dass das Leben nun eine Qual geworden wäre.
WER VON UNS IST DER NÄCHSTE?????? |  |
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 | 23. Der Alltag geht weiter
Genauso wie das Leben trotz solch unangenehmer Gedanken weiter geht – geht auch der Umbau im Tierheim weiter. Inzwischen sieht es schon total anders aus, als noch vor einem Jahr. Die „lange Reihe“ ist fertig und das halbe Hundehaus ist auch schon komplett renoviert. Die Zwinger sind nun viel größer und komplett mit ansprechendem Fliesendesign verschönert. Es ist schon sehr spannend zu sehen, wie viele Autos und Arbeiter da den ganzen Tag rumlaufen. Sonst ist es ja eher langweilig, aber so eine Live-Doku-Soap von „Schöner Wohnen“ ist eine willkommene Abwechslung. Außer den Patenspaziergängen passiert sonst ja nichts hier – bis auf Samstag Punkt 13 h, wenn die nagelneuen und unverbrauchten Paten zur Patenschulung kommen.
Unser Ober-Vorstands-Lutz (bekannt aus Funk und Fernsehen) erklärt den neuen Paten dann, was sie im Umgang mit uns zu beachten haben. Was sie dürfen und besser lassen sollen (wie z.B. uns mit Leckerlis voll stopfen, uns ins Auto zu setzen, usw.) Er erklärt ihnen viel und meist lauschen sie ganz ehrfürchtig den Worten unseres großen Meisters, als würde er ihnen die Geheimnisse der japanischen Teezeremonie erklären. Man sieht ihnen die Spannung vor dem ersten Spaziergang regelrecht an. Nach der sitzenden Einführung, sagt er ihnen, dass er nun den Hof zeigen will. In Wahrheit ist es so abgemacht, dass wir uns die Neulinge schon mal angucken können und deshalb werden sie an den Zwingern vorbei geführt. Abwechselnd erschrecken wir sie mal mit einem „Wuff“, um zu sehen, wie wesensfest die so sind. In die Katzenhäuser gehen sie auch, aber die meisten Paten haben Geschmack und bleiben uns Hunden treu, hihi.
Apropos Geschmack: die Paten sollten erst in die Katzenhäusern und uns diese Leckerchen beim Spaziergang kredenzen… |
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 | 24. Ferdinand
Solch ein Leckerchen ist auch der Ferdinand. Ferdinand…diese komischen altdeutschen Namen sucht übrigens immer die Leiterin aus…bin ich froh, dass mein Ex-Frauchen meinen Namen angegeben hat, sonst hieße ich womöglich Hanshubert oder so ;-) Also Ferdinand kam ins Tierheim, weil er in einer Wohnung ohne Wasser und Whiskas zurückgelassen wurde. Er hatte auch das Glück, zweimal vermittelt zu werden, aber das hat ihm nicht gefallen. Immer ist er abgehauen und wollte zurück ins Heim (kleine Meise unterm Pony!). Meine Meinung über Katzen kennt Ihr inzwischen und deshalb wundert mich bei denen fast nichts mehr. Ferdinand kam dann immer wieder in ein Katzengehege, aber da er dort seine Mitbewohner der Reihe nach verprügelt hat, flog er dort raus. Wohin mit diesem Schläger? |
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 | Das Dreistigkeit oft belohnt wird, zeigte sich darin, dass dieses Großmaul zum Haus- und Hofkater ernannt wurde!!! Ferdinand ist nun fest im Tierheim angestellt und darf das komplette Gelände nutzen, inklusive Büro (wo er wohl auch gerne mal auf dem Drucker pennt – er nennt dies „Mitarbeiterkontrolle“), Hundeküche (er nennt dies „Lebensmittelkontrolleur“), Pflegerraum (seiner Meinung nach „Pausenaufsicht“), usw. Wenn unsereins über den Hof geführt wird, bleibt der provokant in der Gegend stehen und zeigt, dass er keine Angst vor uns hat. Unfassbar!! Ich denke wir „Kampfhunde“ sehen soooo gefährlich aus… Grrr. Dieser Schnösel staubt auch noch einen Haufen Streichelhände von Paten und Angestellten ein, weil er denen überall über den Weg latschen kann…Neid, Neid… Wenn ich es mir recht überlege, werde ich in meinem nächsten Leben besser eine Katze… |
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25.Dankeschön!!!
Wollte heute nur kurz „Dankeschön“ sagen, weil es so viele liebe Leute gibt, die uns Decken ins Tierheim gebracht haben, weil es so lausig kalt ist und wir doch auch weich liegen wollen. Ich hab hier z.B. eine Decke von Tante Irmgard abgestaubt, die wunderbar weich ist und nach Aprilfrische riecht...hmmm…also die Decke und nicht die Tante Irmgard.
Ach, liebe Tierheimleiterin, wäre „Irmgard“ nicht auch mal ein netter Name für eine neue Fundkatze ohne Namen? ;-)) |  |
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 | 26. Nicht noch einer….
Vor einigen Tagen kam ein neuer Hund ins Heim. Ein alter Retriever, der wahnsinnig dick war…ja, richtig…war, deshalb die Überschrift… Teddy kam ins Heim, da sein Besitzer krank war und sich schon seit langer Zeit nicht mehr richtig um ihn kümmern konnte. Deshalb war Teddy so dick und unbeweglich geworden. Die Pfleger mussten ihm beim Aufstehen helfen, da er es aufgrund seines Gewichtes, nicht mehr alleine geschafft hat. Natürlich bekam er sofort eine Diät und täglich wurde er mehrmals auf dem Hof bewegt, damit er abnimmt und wieder gehen lernt. Er machte auch Fortschritte und alle waren guter Hoffnung, dass aus dem alten Kerl noch mal ein beweglicher, glücklicher Hund wird, der noch ein schönes Zuhause bekommen sollte. Das er das gleiche Ziel hatte, merkte man an seiner Freude, wenn Pfleger oder Paten auf ihn zukamen, um sich mit ihm zu beschäftigen. Sein Wille und seine Kraft waren heute (01.05.06) leider erschöpft… Unser Tierarzt und unsere Chefin kamen, um nach ihm zu sehen, aber leider war nichts mehr zu machen, außer ihn zu erlösen…
Teddy hätte trotz seines Alters noch einige Zeit leben können, wenn er früher zu uns gekommen wäre oder wenn andere Menschen ihn übernommen hätten, die in der Lage gewesen wären, sich richtig um ihn zu kümmern, statt ihn zu Tode zu füttern. Schlaf gut, Teddy und träume, wie Jeannette Dir zum Schluss sagte, im Hundehimmel davon, wie schön es damals war, als Du noch fit warst und laufen konntest... |
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27. Unser neuer Tierarzt
Seit einigen Monaten arbeitet hier im Heim ein neuer Tierarzt. Yeah – ein Arzt und keine Ärztin…nicht das ich frauenfeindlich wäre, aber hier arbeiten ja sonst nur Frauen (bis auf die Bauarbeiter, die zur Zeit das Heim verschönern) und wenn man als Rüde mal krank wird, ist es manchmal etwas unangenehm: so habe ich in den wärmeren Jahreszeiten oft rote Stellen an den Innenseiten meiner Oberschenkel….Ihr wisst, worauf ich hinaus will…!! Es ist schon peinlich, wenn man einen Termin im Arztraum hat und muss sich dann untenrum freimachen. Da ist es schon eine Erleichterung, wenn man mal von Mann zu Mann über seine Problemchen reden kann.
Und der Tierarzt, ich nenne ihn mal „Johi“, ist echt ein Kumpel. Der nimmt sich viel Zeit für unsere Wehwehchen. Letztens wollte ich ihn mal testen und hab mir extra im Zwinger den Schwanz ein wenig beim Wedeln aufgeschlagen. Mein Patenfrauchen war natürlich entsetzt, weil ich blutete. Johi bekam dies gemeldet und schwups beamte er sich in meinen Zwinger, um nach mir zu sehen. Alle Achtung, dass ist ein prompter Service. Er hat natürlich sofort erkannt, dass ich nicht ernst verletzt war, aber er knuddelte mich dann durch und das war schön. Mal sehen, was ich mir demnächst noch einfallen lasse, um den Johi noch mal zu mir zu locken. |  |
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| | 28. Botti-Mails
Aus Belgien kommen nicht nur Fritten, sondern auch Botti, eh, sorry Monsieur Baudelaire ;-) Er war auch schon bei meiner Ankunft im Heim und ist ein eher älteres und steifes Modell, aber mit seiner Art hat er vor Jahren die Tierheimleiterin betört, so dass sie nicht anders konnte, als ihn zu adoptieren. Botti ist nun im Ruhestand und arbeitet nicht mehr als Bürohund. Sein Frauchen erzählt ihm jedoch abends immer, welche Neuigkeiten es vom Heim gibt, weil sie es ja auch verarbeiten muss und er gerne weiter auf dem Laufenden ist. Hin und wieder mailt er mir dann, weil ich ja nicht alles mitbekomme. Durch das ewige Gebelle auf dem Hof, den Baulärm und weil ich oft tagsüber penne, geht viel an mir vorüber.
Ist ja schon der Hammer, was den ganzen Tag so abgeht, wie z.B. heute (04.05.2006), als die große Verkupplungsaktion anstand. Die Verkupplungen sind natürlich rein platonisch zu sehen, da wir ja alle „außer Betrieb“ sind, höhö, coole Sache, somit kommen wenigstens keine Unterhaltsklagen. Ach ja, zurück zur Kuppeltour: die neue Staff-Maus Bambi (ein ziemlich stabiles Reh stand Pate für ihren Namen) ist lt. Botti der neue Schuss auf dem Hof (klar, die Auswahl an Staff-Mädels ist inzwischen sehr knapp). Bambi scheint ein liebes, nettes und verträgliches Mädel zu sein und deshalb haben sich sämtliche Rüden auf die Verehrerliste bei ihr eingetragen. Da Madame wählerisch ist (unter Rüden nennt man so was auch „zickig“), bestimmte sie, bei wem sie in den Freilauf zieht und der olle Streuner hat sie nun bekommen, weil er einen auf ruhig macht. Tja, wo die Liebe hinfällt. Da machen sich alle vorher Gedanken, wer zu wem passt und dann suchen sie sich doch einen anderen Partner. Ebenso die schüchterne Nanja, ein Traum in Weiß, eine Wolke auf Erden mit sentimentalen Mandelaugen, die Menschen nicht mehr so über den Weg traut und deshalb durch einen von uns wieder zum Lachen gebracht werden sollte – von einem Kollegen, der sich ihr gegenüber rüpelhaft verhalten hat, wurde sie nach kurzer Zeit getrennt. Ein anderer Typ, der ihr den Hof machte und sie freudig aufnehmen wollte, bekam dann eine Watschn von ihr, obwohl er es nicht verdient hatte, was im Freilauf des Nachbarpärchen eine heftige Diskussion und einen Ehekrach auslöste. Da soll einer die Frauen verstehen!! So, dies geschah heute alles nebenbei zwischen den Aufnahmen eines ganz alten und eines weniger alten Fundhundes und der Abgaben von King, der einige Monate vermittelt war und nun wegen des anstehenden Nachwuchses weichen musste und Apollo, einem neuen Staff-Kollegen (schon wieder neue Konkurrenz und dabei freue ich mich über jeden vermittelten Staff, weil meine Chancen dann doch steigen müssten). Auf der Katzenseite wurden zwei ehemals schicke Perser abgegeben, die nun mangels Fellpflege unschick sind und zu Filzknäuelen mutierten. Dazu noch der gefundene alte Langhaarkater, der erst mal gepäppelt werden muss. Uargh, wird mein Patenfrauchen morgen wieder freudig in den Katzenhäusern auf die Suche nach denen gehen lassen, um die zu frisieren. Dabei könnte ich ihr doch helfen!!
Soviel passiert an einem Tag um mich rum und ich merke nichts davon. Ich werde mich noch mal um einen Aushilfsjob im Büro bewerben, weil es dort so spannend ist. So, nun mache ich Schluss für heute, weil ich noch meine Bewerbung tippen muss. |
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29. Alte Bekannte
Am 28.05.06 zogen zwei neue Kollegen bei uns ein. Aber halt, so neu waren die ja auch nicht. Die kenne ich doch noch?? Ja, es waren Mikey und Wally. Er, ein Staff-Kollege mit hübschem beigen Fell und Wally…wow sag ich, eine superschlanke langhaarige Schäfermaus.
Mikey hat die Wally in der Eifel kennen gelernt und sich in sie verliebt. Beide wohnten dort zeitweise, weil sie total hibbelig waren und sollten durch die ruhige Eifellandschaft entspannter werden. Bei Mikey hat das auch geklappt, aber bei Wally…na ja. Der arme Mikey war jedoch sehr krank und hatte Probleme beim Laufen. Er wusste manchmal nicht so genau, in welcher Reihenfolge er seine Beine nutzen musste. Deshalb durften die Beiden auch immer mit dem Auto in den Wald gefahren werden. Es war nämlich sauheiß zu der Zeit und Mikey wäre aufgrund seiner Krankheit ja nie weit gekommen. Also fuhren die beiden immer mit ihren Patinnen zum Wald und gingen dort zum Bach, weil die Wally so jeck nach Wasser ist und dort immer plantschen wollte. Hey, Baby, da haben wir ja was gemeinsam. Ich liebe auch das Wasser! Wir hatten noch was gemeinsam, wie ich feststellen musste: meine Patin. Na ja, bei so einer süßen Puppe kann ich damit leben. Mit der würde ich ja auch gerne spazieren gehen…hihi. Aber Wally hatte ja den Mikey, der wie geschaffen für sie war, da er ihr hibbeliges Hüpfen und ihre Hektik gut weggesteckt hat und dem es auch egal war, wenn sie ihm aus Versehen mal auf die Rübe gesprungen ist und ihn dabei umgeworfen hat. Für so was hätte ich keine Nerven. Nun gut, ich hab für meine Spaziergänge ja noch meine Daliah, der ich ja auch treu bleiben werde. Aber gucken kann man ja mal. |  |
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Leider ging es Mikey immer schlechter. Er war zwar lebensfroh und freute sich wahnsinnig auf seine Patin, die Streuner-Sandra (nicht dass sie streunen würde, aber ihr Hund heißt ja so) und vertretungsweise auf die Luise, die gerade ihre Wuchtbrumme Santa verloren hatte und nun immer besonders empfänglich für arme Hermelein ist. Bei den beiden war er in super guten Händen, weil sie dem armen Schelm viel Liebe und Schmusereien zukommen ließen. Sie versuchten ihm das Leben noch so schön wie möglich zu gestalten, aber am 22.07.06, nur fast zwei Monate nach ihrem Umzug, ging nichts mehr. Alle Untersuchungen und Medikamente konnten ihm nicht mehr helfen, so dass er von seinem Leiden erlöst werden musste. Auch wenn sein Geist noch wollte – sein Körper konnte nicht mehr…An diesem Tag sah man nur noch verweinte Gesichter auf dem Hof und die arme Wally war nun ganz alleine. Deshalb versammelten sich dort alle trauernden Patinnen und trösteten die arme Wally.
Da Wally nun Single ist, begleitet sie mich nun immer auf den Spaziergängen. Man sagt mir eine ausgesprochen beruhigende Wirkung auf hibbelige Schäferhunddamen nach (hat auch schon bei der Anka früher gewirkt) und bei Wally wirkte es auch sofort. Sie motzt mich nicht an, wir gehen Backe an Backe nebeneinander spazieren und ruhiger ist sie auch geworden. Selbst in unser Sonntagsrudel mit vier oder mehr Hundekollegen, hat sie sich wunderbar integriert. Ich wohne jetzt auch neben ihr im Freilauf, weil sie sich mit meiner Vormieterin immer so angezickt hat. Frauen…! Ganz süß, wenn sie morgens, mit wehendem Haar, immer auf den Hinterbeinchen steht und über den Sichtschutz in meinen Freilauf guckt, um mich zu wecken. Allerliebst sieht sie dann aus, mit der Quietschwurst in ihrem Schnütchen. Aber leider nutzt der traumhafte Anblick ihr auch nichts, denn die Interessenten finden es immer doof, wenn sie so hektisch und zickig wird. Dabei mag sie jeden, den sie einmal kennen gelernt hat. Also werden wir beide sicher noch lange Zeit Nachbarn bleiben. |  |
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30. Fete!
Wow, am 18.06.06 wurde uns hier noch mal was geboten: ein Bierwagen wurde aufgebaut, alles wurde schön gemacht und alle waren voll rausgeputzt. Das Tierheim wurde nach dem ganzen Umbau neu eingeweiht und deshalb sind sämtliche Polit-und-Amts-Promis aus Oche und Umgebung angereist. Hab mir extra morgens noch mal die Zähne geputzt, um sie schön anstrahlen zu können. Hier ist ja mit der Zeit super viel passiert, denn alle Wände auf dem Hof sind nun schön bunt angepinselt, die Zwinger sind nun größer und mit schönen mediterranen Fliesen ausgeschmückt, so dass nur noch abends beim Essen das Gläschen französischer Rotwein fehlt. Es ist so hell auf dem Hof geworden, dass ich mir manchmal die Sonnenbrille anziehen muss (das macht mich nebenbei noch cooler).
Alle liefen nach einer kurzen Rede vom Lutz (er hat sich wirklich bemüht!) in einer Führung über den Hof und guckten sich alles an. Normale Bürger waren natürlich auch zu Besuch und an diesem sonnig heißen Sonntag verlor der ein oder andere auch sein Herz an einen Hundekollegen. Die Veranstaltung war so wichtig, dass auch die Presse da war und eine nette Zeitungsfrau hat dann meiner Patin gesagt, sie soll doch mal was übers Heim erzählen…hihi, die Arme wusste ja nicht, was sie sich damit antut, denn meine Patin hört ja nicht mehr auf zu reden und hat die ganze Zeit von mir gesprochen, so dass einige Tage später ein Artikel über mich in der AZ stand. Jetzt bin ich auch ein Öcher-Promi ;-) |  |
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 | 31. Ein Sommer voller Aaaction!
Dieser Sommer hat uns ja nun überhaupt nicht mehr zur Ruhe kommen lassen. Nach der wahnsinnigen Hitze, den Umbauten und der Eröffnungsfeier kam auch schon das alljährliche Sommerfest. Diesmal ausnahmsweise bei nicht so tollem Wetter, aber die Besucher sind wahre Fans und kamen auch ohne Sonnenschein zuhauf. Es gibt da sogar Stammbesucher, die sich sogar eine ganze Tischreihe im Kuchenzelt reservieren, um alle Kuchensorten zu probieren, denn wie toll unsere Patinnen so backen ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. |
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 | Es wurde hier wieder gegessen, getrunken, gelost, gewonnen, gekauft und geguckt. Und das, obwohl es anfangs regnete und die Weltreiterspiele eine lokale Konkurrenz darstellten, aber auf unsere Fans kann man eben zählen und auf die anderen...pfeife ich! Ich hab mich sogar als Demo-Hund an dem Tag erwiesen. Beim frühen Gassi-Gang hat Sandra mir einen Helium-Ballon vom Tierschutzbund, den Jeannette verteilt hat, an das Halsband gepinnt. Hab ich fast überhaupt nicht gespürt und bin mit meinem Ballon durch die Straßen marschiert. Hihi, da war unsere Leiterin aber baff, als sie mich sah. Ich bin eben ein Multi-Talent! Der Tag endete wieder mit der Versteigerung durch unseren Boss (nee, nicht den Ferdinand, sondern Lutz) und einem gemütlichen Bierchentrinken aller Helfer am Bierwagen. Sei es denen gegönnt! |
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Schwupps, haben wir den aufregenden Tag gerade verdaut, stand die nächste Aktion vor der Tür: das Sommerfest der Hundefreunde in Herzogenrath, wo 16 von uns hin durften. Wir sollten uns dort präsentieren, in der Hoffnung, dass sich Anwesende dort in uns verlieben und adoptieren wollen. Mann, war dass spannend. Meine Patin meinte zwar mir ein Sonntagsdress anziehen zu müssen in Form eines blaßblauen Halstuchs mit kleinen Dalmatinern drauf...schon was peinlich, aber wenn es ihr Spaß macht...Mit Halstuch bestückt durfte ich dann sogar in Hubsys neues Auto springen. Er hat extra einen hundetauglichen Kombi gekauft, um mich zu wichtigen Veranstaltungen wie heute fahren zu können. Wir haben uns dann erst mal kurz über die technischen Daten und Motorleistung unterhalten und dann ab in die Kiste. Eigentlich wollte ich auf die Rückbank zu Frauchen und deren Mama, die mit ihrem Mann extra für meine seelische Unterstützung mit angereist sind, aber ich musste hinten sitzen. Dort angekommen mussten wir erst mal warten...warten...warten. Ein Wort, dass ich hasse. Ich brauch immer Bewegung. Also hab ich Frauchen noch mal schnell zu einem Spaziergang überredet und auf dem Gelände hab ich sie so hin und hergezogen, dass der Hubsy mich vorübergehend übernehmen musste, weil Frauchen so stark transpirieren musste. |  |
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Dieses Foto hat nach Veröffentlichung Bewunderung für die Ausmaße meiner Zunge ergeben. Luise, die uns ja auf der Feier alle mit wunderbaren Texten vorgestellt hat und die auch sonst nicht auf den Mund gefallen ist, blieb beim Anblick des Fotos die Spucke weg. Ja, wo ich die Zunge denn hinstecke, wenn der Mund zu ist? Ob ich daran nicht ersticken könnte? Oder - noch besser, ob ich sie mit Zahnstochern aufrolle und festspicke, wie eine Roulade? Ehrlich gesagt - ich hab mir bisher noch nie Gedanken drüber gemacht, denn irgendwo krieg ich die immer untergebracht. Letztens hat Frauchen sogar ein Foto gemacht, bei dem meine Zunge richtig im Wind weht...hihi. Kleiner Zungen-Exkurs. |  |
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Jetzt aber wieder zurück nach Herzogenrath! Die Wartezeit versuchte meine Patin dann noch mit so doofen Spielchen zu überbrücken. Ich sollte über diese blöde Brücke gehen, um ein Leckerli zu bekommen. So´n Kinderkram. Darauf stehen doch immer diese topmodernen Intelligenzbestien namens "Border Collies" usw. Mir war das viel zu doof und außerdem erinnerte ich mich an mein altes Leiden mit der Gleichgewichtsstörung und plumpste meist nach einem Meter von dem Brett. Nach 12 Versuchen hatte ich Frauchen davon überzeugt aufzuhören. Endlich waren wir dran und Luise stellte mich als Schmuckstück vor (Danke! Danke!), während ich Frauchen quer über die Wiese schleifte, um sie den Leuten vorzustellen - oder sollte es andersrum sein? Egal, danach kannte sie sicher jeder und mich bestimmt auch. Aber keiner hat sich danach für mich interessiert. Vielleicht hätte ich doch was weniger ziehen sollen. |  |
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Zum Abschluß, als ihr die Puste komplett ausging, hab ich mich dann auf den Boden geschmissen und gewälzt, weil sowas bei den Zuschauern immer ganz toll ankommt. Frauchen war fertig und ich nach der Schleiferei auch, so dass ich auf der Rückfahrt erst mal im Auto gepennt hab. Schnarch. Auch wenn weder ich noch sonst wer durch den Auftritt vermittelt worden ist, so war es eine willkommene Abwechslung vom Alltag. Und wer weiß, wenn einer der Zuschauer mal einen neuen Hund braucht, vielleicht kommt er ja dann ins Tierheim. | |
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 | 31. Babys
Die jährlich immer wiederkehrende Babyschwemme bei den Katzen kennen wir ja inzwischen. Den ganzen Sommer über sitzen diese kleinen pelzigen Raubkatzen dann auf der Iso in ihren Spielzimmern. Eine schreckliche Zeit, denn deren Fenster liegt genau gegenüber von meinem Freilauf, so dass ich diese Zwerge den ganzen Tag sehen muss. Dauernd stehen sie auf der Fensterbank und gucken neugierig in die Gegend. Manchmal meine ich sogar, dass sie sich über mich lustig machen. Unverschämte Gören! Und alle Besucher auf dem Hof laufen auch, wie von einem dicken Magneten angezogen, auf deren Fenster zu. „Och, wie süüüß!“ „Das Rote und erst mal das Tigerchen, wie niedlich“. Toll, so was sagt mir keiner! Wuff, da soll ich mich nicht aufregen. Aber wer klein und hübsch ist, hat es eben leichter im Leben und wird ratzfatz adoptiert. |
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Hundebabys kommen da seltener vor, aber in diesem Jahr hatten wir sogar eine Schwangere unter uns, die „Puppa“. Sie sieht selbst noch wie ein Welpe aus, so klein und goldig, wie sie ist. Aber keine Angst, Puppa ist schon lange volljährig. Sie ist eine Mischung aus Zwerg-Golden Retriever und Dackel mit wunderschönen, großen dunklen Augen. Kein Wunder, dass da ein Hundekollege schwach geworden ist. Auf jeden Fall kam Puppa mit dickem Bauch hier im Heim an und wir konnten alle ihre Umstände miterleben. Vom Tag des Schwangerschaftstests an, behandelten sie alle wie ein rohes Ei, aber Puppa ist klein und kernig und marschierte weiter wacker drauf los. Mit der Zeit eierte sie mehr und mehr und ließ Spekulationen über die Anzahl der Babys zu. Sie war ständig gut gelaunt und man sah immer wieder Paten um sie knien, die ihr den Bauch massierten (dabei hatte sie doch keine Verstopfung!). Vielleicht sollte es eine Art Schwangerschaftsgymnastik sein. Erwähnenswert ist auch, dass Puppa bis zum letzten Tag vor der Niederkunft zum Dienst angetreten ist und sich keinen Krankenschein geholt hat, wie Menschenmütter das immer machen. Pah, die Kleine hat durchgehalten und ist zur richtigen Zeit in den Kreissaal eines Paten gezogen, der günstigerweise Arzt ist. Dort hat sie dann vier kleine Wollknäuel auf die Welt gebracht und alle sind glücklich und zufrieden…und Puppa bekämpft derzeit noch ihre Dehnungsstreifen. |  |
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32. Goodbye Dali
Im Sommer spürte ich auf einmal, dass in der Beziehung zwischen Daliah und mir etwas im Wege stand. Irgendwie wollte sie aber nicht darüber reden. Ups, hatte sie mitbekommen, dass ich heimlich für Wally schwärme? Wie peinlich. Ich versuchte wieder gutes Wetter zu machen und schnupperte extra an tollen Stellen, um ihr diese auch zu zeigen, warf mich kugelnd zu Boden, um sie zum Lachen zu bringen, aber etwas stimmte nicht. Dann kam sie auch nicht mehr regelmäßig mit zu den Spaziergängen. War es Eifersucht auf Wally, die uns nun auch immer begleitete oder hatte sie einen anderen? Da wir inzwischen auch nicht mehr nebeneinander im Freilauf saßen, konnte ich mal nie in Ruhe mit ihr drüber reden.
Eines Tages beim Spaziergang stand sie mir gegenüber: mit fremden Menschen! Huch, wo kamen die denn her? Neue Paten? Nee, Daliah hatte Menschen gefunden!!!! Menschen, die sie adoptieren wollen. Unfassbar. Aber das haben ja schon viele vorher gesagt und vielleicht überlegen die es sich ja noch mal anders, beruhigte ich mich selbst. Aber nein, die meinten es ernst, wie sich herausstellte. Es dauerte nur alles, weil der Vermieter keinen Hund akzeptierte. Ne Dali erst recht nicht. Also, was machten die Leute: sie zogen um. Extra wegen Daliah! Das ist ja der Hammer. Die haben sich wirklich eine neue Wohnung gesucht und einen netten Vermieter gefunden, der eine „von uns“ nicht gleich verurteilt. Es war Daliah zwar etwas unangenehm mir das zu sagen, aber nach der Schocksekunde habe ich mich dann doch für sie gefreut. Das Mädel hat ja schon über vier Jahre hier abgesessen und hat nun endlich ein Zuhause verdient. Wir sind dann noch öfter miteinander spazieren gegangen und wollten zum Schluss ein Erinnerungsfoto von uns und dem dicken Thyson machen, weil wir drei ja nun eine ganze Zeit miteinander verbracht haben, aber die Madame war so unkonzentriert, da ihr Auszug bevorstand, so dass das nicht klappte.
Nun ist sie weg, weg…und ich bin wieder allein, allein…Heul!! Und ich bin nun der, der am zweitlängsten schon hier sitzt. Länger als ich ist nur noch die Dunja da und wenn ihre Patin Martina bald ein Haus findet, bekommt Dunja noch einen Altersruhesitz. Am 06.10.06 hat Daliah ihr Köfferchen gepackt und ist in ihre neue Familie gezogen. Tschüß Süße, mach´s gut und bleib für immer weg!!! |  |
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34. Der außerirdische Begleiter
An einem ruhigen Herbstsonntag, dem 05.11.06 um genauer zu sein, begleitete uns wieder die Anke mit meinem Kumpel Thyson und da Thyson ja mit jedem anderen Hund klar kommt, nimmt sein Frauchen immer noch einen von den Minifuzzis aus dem Heim zum Spaziergang dazu. Oft hatten wir einen Jack Russel oder einen Yorkie dabei und es war immer ganz witzig, wie die mit ihren Minibeinchen versuchten mit unserem Schritt mitzuhalten. Doch an besagtem Sonntag war die Anke voll in den Bohnen und hat sich von den Pflegern etwas anderes in die Hand drücken lassen: es war etwas, das klein und wuschelig und undefinierbar aussah, so wie ein Wischmop aus alten Zeiten oder ein Sofakissen. Hatte sie ihre Kontaktlinsen an dem Tag vergessen?
Nun ja, ich hab mir mal nichts anmerken lassen und trotte nebenher, um den Thyson in seinem Auto abzuholen. Als Thyson das kleine Teilchen beim Aussteigen entdeckte, hat er sich erst mal volle Kanne erschreckt und ist zur Seite gesprungen (hab mir dabei voll einen hinter die Pfote gegrinst, aber mir auch gleichzeitig Sorgen um das Seelenheil meines treuen Kumpels gemacht, der sich gerade ins Höschen machen wollte). Sein Frauchen redete auf ihn ein, dass er doch keine Angst haben solle vor Mr. Fu - hä? Das Teilchen hatte sogar einen Namen? Wir gingen weiter, doch nach kurzer Zeit blieb das Teilchen stehen und veränderte die Form: aaah, es hob ein Beinchen und ein Goldstrahl kam aus dem Fell raus...sollte es etwa ein Hund sein??
Meine grauen Zellen waren stark überfordert, zumal mein Frauchen auch noch immer diesen Mr. Fu anlaberte und kleine Verzückungslaute von sich gab. Eine Perserkatze (die sehen ja so ähnlich aus) war es aber nicht, denn diese störrischen Biester würden sich ja nie dazu herablassen, ein Geschirr zu tragen und an der Leine zu laufen. Thyson und ich tauschten unsere Ideen aus und kamen zu dem Schluss, dass es doch ein Artgenosse sein müsste. Wahnsinn, darauf muss man erst mal kommen. Das unsere Verwandten doch so anders aussehen können. O.k., im Gegensatz zu einer Dogge sehen wir ja auch winzig aus, aber so was Haariges hatten wir noch nie gesehen. |  |
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Bei näherer Betrachtung konnte man auch erkennen, wo vorne und wo hinten ist und das Mr. Fu Kulleraugen und eine Knautschnase hat. Zwischendurch schwächelte er immer etwas und war aus der Puste, so dass die Anke ihn tragen musste. Mr. Fu (seinen Vornamen hat er uns nicht verraten, aber wir tippen mal auf "Kung") kam, mit mehreren Unterbrechungen dann doch irgendwann mal in die Gänge und hoppelte zwischen uns durch das hohe Gras. Sah witzig aus, aber meine Patin und Thysons Frauchen hatten immer Angst, dass er sich überanstrengt, da er offenbar weite Spaziergängen nicht gewohnt war. Somit hatte die kleine Knutschkugel den Mutterinstinkt der beiden Mädels geweckt und zog alle besorgten Blicke auf sich. Wenn er dann mal wieder Luft hatte, erzählte er uns, dass er aus Peking kommt und seine Vorfahren beim Kaiser im Palast gewohnt haben, wo die durch extra Angestellte voll vertüddelt wurden. Das ein Pekingese (ist kein Tippfehler, hab mich in der Zwischenzeit im Internet über diese Burschen schlau gemacht!) mal vom Palast ins Tierheim kommt, hätte wohl keiner für möglich gehalten, doch nach gerade mal zwei Wochen kam seine Retterin und adoptierte ihn. Nun lebt er wieder standesgemäss in einer Wohnung und hat sicher ein super tolles Sofa und eine liebe Kaiserin. |  |
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 | 35. Brief von Sunny
Neben meinem ständigen Kontakt zu meinem Freund Thyson, habe ich auch noch eine Brieffreundin, die auch mal hier im Tierheim war: die Sunny. Sie ist eine süße Schäfer-Mix-Schnitte, die bei der Michaela, die auch Patin ist, wohnt. Somit bekomme ich immer mal wieder News aus der Welt außerhalb des Tierheimhofs. Lest selbst:
"Hallo Ingor! Ich wünsche Dir einen schönen 1. Advent! Ob Dir Dein Patenfrauchen Sandra auch einen Adventskalender bastelt? Wir bekommen bestimmt von unserem Frauchen einen, aber den Inhalt muss ich mit meinem Kumpel Filou und mit den 4 Katzen teilen!
Ich habe mitbekommen, dass das Tierheim inzwischen auch einiges an kulturellen Ereignissen bietet!? WOW...das gab es zu meiner Zeit damals noch nicht! Z.B. habt Ihr am 3.12.2006 ja eine Vernissage im Heim... oder das Benefizkonzert, das am 26.10.2006 im Alten Kurhaus stattgefunden hat. |
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Also, mein Frauchen war da und kam total begeistert zurück. Sie sagte, dass da junge Menschen von der Musikschule der Stadt Aachen gespielt hätten und das eingenommene Geld der Tierschutzverein erhalten hätte! Das fand sie toll...und seitdem ist sie voll auf dem Klassiktrip und klimpert immer auf dem Klavier im Wohnzimmer rum. Wir Tiere hier im Haus haben uns nun abgesprochen: ihrem musikalischen Treiben muss Einhalt geboten werden!! Seitdem wechseln wir uns mit der Klavierwache ab: ich schicke Dir ein Foto, wo ich gerade den Klavierhocker bewache! Während ich also den Hocker besetze, versucht mein Kumpel, sie mit Bellen abzulenken. Tja, das klappt leider nicht immer!
Dann geht nur noch: möglichst weit weg, am besten ins Körbchen und dann die Decke über die Ohren! Na ja, bin gespannt, ob sie nach der Vernissage anfängt, zu malen! Das wird ein Spaß! Ich wünsche Dir und allen im Heim eine schöne Adventszeit und schöne Geschenke vom Nikolaus!
Deine Sunny " |  |
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36. Advent-Advent
An Action mangelt es derzeit im Tierheim wirklich nicht: zwischen den beiden Kunstveranstaltungen, von denen Sunny in ihrem Brief berichtet hat, hat sich auch unser Hof verändert. Ich habe ja keinen Kalender in meiner Hätte, aber trotz den Folgen der Erderwärmung, muss Weihnachten in Sicht sein, denn meine Patin lief diese Woche mit Wallys beiden Patinnen Sandra und Stephie mit Tannenzweigen über den Hof und bastelten rote Schleifen daran, um sie an unsere Zwinger- und Freilaufgitter zu binden. Soviel Geschick hätte ich ihr gar nicht zugetraut - kommt sie mir doch ebenso leicht grobmotorisch vor, wie ich selbst. Irgendwie haben sie es aber gepackt und nun erstrahlt der Hof in roten Schleifen auf grünen Tannen.
Eine dicke Tanne steht nun auch an den Patenbänken, die Luise mit Strohsternen und Lichtern geschmückt haben. Die armen Paten sollen es ja auch ein wenig heimelig haben, wenn sie sich auf den Bänken von den Spaziergängen erholen. Sei es ihnen gegönnt.
In der Vorweihnachtszeit sind alle Menschen immer besonders lieb und deshalb haben die netten Damen und Herren vom "Bauhaus", wie in jedem Jahr, ganz viele Kuchen zuhause gebacken und diese im Baumarkt verkauft. Das Geld aus dem Verkauf spenden sie uns Tieren!! Wow, das finde ich so toll, dass ich meine Kollegin Tina, ein schnuckeliges Schäfermädel und unseren Urlaubsgast, die Rottimaus Baby (ey, cooler Name, ey) zu einem Besuch im "Bauhaus" überredet habe, um mal artig "Danke" zu sagen. Der Gerald (neben mir der einzige Mann auf dem Foto), gehört nun zu den Chefs im Heim und weil ich zu all den wichtigen Typen beste Connections habe, hab ich den auch gleich noch mitgenommen. Wie Ihr auf dem Foto seht, haben wir uns auch total fein gemacht und einige Schleifchen vom Tannenbaum geklaut, um uns damit zu dekorieren. Bei offiziellen Anlässen ist so was angebracht, denn ein gepflegtes Erscheinungsbild ist unerlässlich! Die Tina wollte lieber eine Runde im Baumarkt shoppen gehen und hat sich eine Lichterkette für ihren Freilauf ausgesucht. Deshalb sind nur Baby und ich auf dem Foto zu sehen, dass mein Frauchen von uns gemacht hat, denn der ist irgendwie ihre Kamera an der Hand angewachsen und seitdem leidet die an zwanghaftem Knips-Syndrom. So schlimm, dass sie mich sogar kurzfristig an ihre Namensvetterin ausgeliehen hat. Weil ich etwas kurzsichtig bin, musste ich ganz nah an das Schild ran, um es lesen zu können, deshalb gucke ich gerade nicht fotogen in die Kamera. Oder war es, weil ich, mit meinem Dackel-Blick, die netten Damen zu einer weiteren Leckerchenspende animieren wollte? Die waren total lieb zu uns und um unser leibliches Wohl besorgt und kamen immer mit Hundekuchen zu uns. Hihi, gut für mich, dass Baby und Tina ihre Vorweihnachts-Diät machten und alle Leckerlis in meinem zarten Mäulchen verschwunden sind. Mann, war das aufregend. Nachdem ich mich nach anfänglicher Nervosität nun endlich an die nette Umgebung gewöhnt hatte, mussten wir wieder aufbrechen und die Damen und die Nikolausine weiter in Ruhe den Kuchen verkaufen lassen. Schade, aber wenn ich nächstes Jahr um die Zeit immer noch im Heim sitze (Resignation macht sich langsam breit), dann freue ich mich wenigstens wieder auf den Besuch im Bauhaus bei Kaffee und Kuchen. | |
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37. Es weihnachtet
Nach dem leckeren Kuchen wurden wir wenig später mit hundetypischeren Leckerlis verwöhnt. Am Heiligmorgen bekam jeder Hundekollege ein Brot, dass dick mit Leberwurst bestrichen war. Das ist schon seit Jahren Tradition hier im Heim und schmeckt mir sehr. Hmmm.
Weil die Katzen kein Brot essen, haben die gekochtes Hähnchen bekommen und das schnurrige Schmatzen konnte man aus den Katzenhäusern hören. Nachdem die Paten sich am Abend sicher alle schön den Bauch mit Leckereien vollgeschlagen hatten, dachten sie sich, dass man auf einem Brot nicht stehen kann und prompt machte ein ganzer Sacke voller Schweineohren die Runde. Da ich ja immer sehr sportlich unterwegs bin, brauche ich mir natürlich keine Gedanken machen, dass diese Sünde auf meinen Rippen lastet.
Gedanken habe ich mir über andere Sachen gemacht, weil es Weihnachten ab den Nachmittagen immer so ruhig im Heim ist, denn die Pfleger und die Paten feiern ja zuhause in ihren Familien, während wir alleine in unseren Zwingern und Hütten sitzen. Diese Stille ist dann ziemlich bedrückend und dann muss ich immer an früher denken, als ich noch bei meinem Frauchen leben durfte und dort von ihr verwöhnt worden bin. Mist...jetzt sind dicke Tränen auf die Tastatur getropft... ich wollte doch nicht wieder sentimental werden, aber das bringt die Zeit einfach mit sich.
Als dann wenige Tage an Silvester alle Menschen das Neue Jahr begrüßt haben und sich gegenseitig alles Gute wünschen, frage ich mich, wann für mich denn endlich wieder ein gutes Jahr kommt. Meine Freundin Daliah wohnt ja jetzt schon einige Monate bei ihren lieben Menschen, die sich jeden Tag darüber freuen, dass sie sie haben. Das hat Daliah mir am Telefon erzählt. Doch dann passieren Dinge hier im Heim, bei denen ich mir denke: Gut, dass Du hier bist und nicht bei Menschen, die sich nicht um einen kümmern, denn als die arme Angel wenige Tage vor dem Jahreswechsel in absolut erbärmlichem Zustand gefunden wurde (ihre Zähne standen alle unter Eiter und fast wäre sie verhungert) bekam ich vor Entsetzen eine Gänsehaut. So was würde mir hier im Tierheim nie passieren. Soviel ist sicher. Jetzt wo Angel einige Wochen bei uns ist, zwar zahnlos, aber satt gegessen und fröhlich, denke ich mir, dass nichts unmöglich ist.
In meinen sentimentalen Gedanken möchte ich mich auch bei den lieben Lesern bedanken, die mir immer Mails schicken, weil sie mein Tagebuch so gerne lesen und mich bestärken, weiter zu schreiben. | |
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 | 38. Für Luna scheint die Sonne - mitten im Januar
Anfang Januar, nach unserem gemeinsamen Spaziergang, meinte die Kirsten (Daliahs Ex-Patin) als sie Luna sah, dass die sicher auch keinen Interessenten mehr finden wird. Schließlich wohnte sie schon hier, als ich eingezogen bin. Nach fünf Jahren Tierheim und den erfolglosen Versuchen ihrer Patin Monika, der Luna ein Leben in ihrem Haus, aber mit einer Katze schmackhaft zu machen (hm, die Katze hätte Luna sicher geschmeckt, aber so hatte die Monika das nicht gemeint, denn die hat ihre Katze Lena gerne), streifte ein mitleidiger Blick meine Staff-Kollegin. Die Monika hat sich sogar mal ein T-Shirt mit Lunas Gesicht und der Frage "Lebenslänglich?" drucken lassen. Ich bin richtig aufgeregt, denn ich kann Euch mitzuteilen, dass Luna nicht lebenslänglich im Heim sitzen muss!!!
Tatsächlich kamen einige Tage nach Kirstens Mutmaßung zwei nette Menschen vorbei, die die Luna tief in ihr Herz geschlossen haben. Die haben dann ganz schnell den Sachkundenachweis abgelegt haben und alle erforderlichen behördlichen Hebel in Bewegung gesetzt haben, um Luna zu adoptieren! Ist das nicht der Wahnsinn? Wer hätte das gedacht? Da gibt es doch noch Leute, die keine Vorurteile gegenüber unserer Rasse haben und dazu noch bereit sind, einen älteren Hund (soll nicht uncharmant klingen, liebe Luna), der auch noch physiotherapeutisch getätschelt werden muss, bei sich aufnehmen. Luna wohnt jetzt seit einigen Tagen bei dem lieben Paar und wird sicher ganz doll verwöhnt, so dass sie sicher schnell die fünf Jahre hinter Gittern vergisst, die sie sicher nicht dort verbracht hätte, wenn sie kein Staff-Mädchen wäre. |
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39. Neuer Brief von Sunny als Mutter
"Hallo Ingor! Ich wünsche Dir dieses Jahr besonders viel Glück, Du gehörst ja nun fast schon zum Tierheimteam, so lange, wie Du schon dort wohnst!
Du erinnerst Dich doch bestimmt, dass mich meine Menschen damals abgegeben haben, weil ich keine Babys mögen würde?! DAS STIMMT NICHT!
Eines schönen Tages schleppte mein Frauchen im vergangenen Sommer einen riesigen Korb ins Arbeitszimmer. Sie ging noch mehrmals zum Auto zurück und holte Decken und Kratzbrett, Hängenetze und Katzenklo. Selbstverständlich wich ich ihr nicht mehr von der Seite; ins Arbeitszimmer durfte ich jedoch nicht mehr rein! Na ja, so mussten wir alle - mein Hundekumpel und die 3 großen Katzen - durch die geschlossene Glastüre erraten, was oder wer denn dieses Gefiepe und Miauen von sich gäbe. Das war gemein! Mein Frauchen ging immer mit kleinen Näpfen da rein und kam mit leeren wieder raus, sie roch auch ganz fremd danach. Und nach 1 Woche durfte ich dann mit rein! BOOOHHH...war ich aufgeregt!! |  |
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 | Und dann der Schock: das waren 4 kleine Katzen... so klein, die waren kaum größer als meine Pfoten! Man hatte sie ausgesetzt - ohne Katzenmutter! Im Tierheim gab es zu der Zeit so viele Babykatzen, dass sie in Käfigen saßen und so hat mein Frauchen kurzerhand eine Geschwistergruppe mitgebracht! Die Babys kamen direkt auf mich zu und wuselten um mich rum, ich wusste zuerst gar nicht, wohin ich noch treten konnte. Und die waren so schnell, dass ich zuerst echt Probleme hatte, die durchzuzählen! Nachdem ich sie sanft mit der Schnauze entsprechend "sortiert" hatte, stellte sich heraus, dass es 3 Mädels und 1 Junge waren. Sie stolperten auf mich zu und miauten mich an.. als ob ich ihre Mutter sei- HEY, dabei bin ich blond! Von nun an saß ich die ganze Zeit vor der Türe und lauschte den Geräuschen meiner Babys, wenn meine Menschen nicht da waren. Sobald aber die Türe aufging - zack - war ich drin und hab mit der Früherziehung begonnen! Die Kleinen hatten keinerlei Berührungsängste und ich war selbstverständlich ganz sanft zu denen, selbst, wenn die auf mir rumgeklettert sind...! Ich bin stolz darauf sagen zu dürfen, dass ich freundlicher zu den Kleinen war, als die erwachsenen Katzen aus dem Haus! Mein Frauchen sagte, dass die Katzen im jüngsten Alter schon an alles gewöhnt würden: große und kleine Menschen, Hunde, Katzen, Staubsauger und - was ich persönlich gar nicht mag - Türklingeln! Na ja, nur das mit dem Bellen haben sie bis zum Schluss nicht gelernt! Aber die Zeit vergeht so schnell und die Kleinen wuchsen heran; ich wusste, dass ich sie irgendwann würde hergeben müssen! Aber wir haben unsere gemeinsame Zeit genossen; ich hab ihnen alles Wichtige beigebracht: ...auf der Couch schlafen, den Menschen beim Essen zusehen, auf Zuruf angelaufen kommen...na ja, alles, wofür unsere Menschen uns halt lieben! |
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Und dann war es soweit: es waren traurige Zeiten für uns alle. Der Junge wurde von seinen neuen Leuten abgeholt, ich durfte beim Vorstellungsgespräch der neuen Besitzer noch nicht einmal dabei sein! Und die anderen Kätzchen kamen ins Tierheim, nachdem sie natürlich alle kastriert worden waren! Da musste der arme Tierarzt sich nicht nur um die Babys kümmern sondern auch noch Taschentücher für mein Frauchen besorgen!
Mein Frauchen rannte einige Tage später sofort zum Tierheim, um zu schauen, wie meine Babys denn den Umzugsschock überwunden hatten. Und musste zu ihrer Freude und Überraschung feststellen, dass sich Pünktchen in der Sonne aalte und Flöckchen sogar schon vermittelt war! Na, das sind doch gute Neuigkeiten! Pünktchen und Söckchen sind kurz darauf übrigens auch gemeinsam in ein neues Zuhause umgezogen und können dort in Wiesen nach Mäusen jagen nach Herzenslust!
Letztens bekam ich auch von meinem Ziehsohn Stiefelchen einen Weihnachtsgruss! Er heißt jetzt Paulchen und hat es auch sehr nett angetroffen in seiner Familie...und er hat alles beherzigt, was ich ihm beigebracht habe: auf der Couch sitzen und fressen! Tja, Ingor, wie Du siehst, bin ich sehr wohl babylieb!
Und jetzt frag ich Dich: sind wir Tiere nicht freundlicher, liebevoller und toleranter als z.B. mancher Mensch? Also, ich als Hund habe nichts gegen Katzen und nichts gegen Babys, und wenn jemals noch mal einer ankommt und sagt "Wie Hund und Katz!", dann werd ich ihn zwicken, jawohl!
Deine Sunny" |  |
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 | 40. Blick über den Nachbarzaun
Da es ja ziemlich langweilig im Tierheim ist, muss man sich schon was einfallen lassen, wie man den Tag rum kriegt. Neben Spaziergang, Fresschen und Verdauungsschlaf, ist es jeden Tag für drei Stunden interessant, wenn Vermittlungszeit ist. Dann sind immer alle aufgeregt, denn es könnte ja endlich jemand kommen, der sich für einen von uns interessiert und uns adoptieren will. Es ist immer spannend zu sehen, welche Leute auftauchen und vor welchem Kollegen stehen bleiben.
Bei meinem letzten Blick über den Nachbarszaun, entdeckte ich meinen Freund Rocky, der gerade dabei war, sich auf besondere Art auf die Vermittlungszeit vorzubereiten. Rocky hat eine Wallmähne und trägt diese gerne offen, was jedoch teilweise stylingtechnisch im Konflikt zu seiner Vorliebe nach Wasser steht. Darin schwimmt er nämlich immer wahnsinnig gerne und gerade an einem warmen Frühlingstag, ist ihm dann immer nach einer Abkühlung. Seine Patin, die Daniela, die ihn abgöttisch liebt, sorgt nach dem Wasser-Spaziergang dann immer sehr fürsorglich dafür, dass Rockys Haar wieder in Form gebracht wird und bürstet ...... und bürstet.... (und Rocky scheint es zu gefallen, dem Grinsebub) Die kann das so super, weil sie auch eine Wallamähne hat, die selbst nach dem Spaziergang immer sitzt wie `ne Eins und deshalb hat sie Übung im Frisieren. So, jetzt ist der Spatz wieder fein! Da sieht man mal, welch unterschiedliche Qualitäten die Paten haben müssen. Nicht nur, das sie konditionell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse eines jeden von uns eingestellt sein müssen, denn, sie sind unsere Friseusen, Masseure, Seelentröster sowieso, Animateure für die Schüchternen und Erzieher für die Übermütigen. Wer weiß, was ich beim nächsten Mal entdecke, beim Blick über den Nachbarzaun. |
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 | 41. Tunnel zu Wally
Wenn wir schon beim Blick über den Nachbarzaun sind, dann sehe ich jetzt einfach mal in die andere Richtung und sehe meine Schönheitsgöttin: Wally....schmilz.... Da ich nach meinem kurzen Beisammensein mit Daliah und dem abrupten Ende zum Singlemann erklärt wurde, teile ich meinen Freilauf mit niemandem mehr. Aber Wally und ich wohnen nebeneinander. Wenn ich sie so sehe, wie sie mit ihrem ollen Fußball, ihrem einzigen treuen Freund, den sie pausenlos in ihrer Zuckerschnute vor sich her trägt und mit ihm Runde um Runde durch den Freilauf rennt oder traurig am Gitter sitzt (immer noch mit dem ollen Fußball im Schnütchen), weil keiner da ist, der mit ihr spielt, dann möchte ich schon gerne zu ihr, um sie zu trösten und zu huckeln. Gemeinsam langweilt es sich leichter. |
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Aber da ist er wieder: der Nachbarzaun. Da ich ihn nicht drüber klettern kann und auch nie beide Zwingertüren geöffnet sind, habe ich den Weg in eine andere Dimension gefunden: die Tiefe! Tag für Tag, Nacht für Nacht buddel ich mir einen Tunnel unter den Zaun hindurch, um zu meiner Wally zu gelangen. Die Rasengittersteine auf ihrer Seite des Freilaufs werde ich schon mit meinem Beton-Schädel (so sagt mein Patenfrauchen immer zu meinem Kopf, wenn ich mal wieder gegen ihr Schienbein gerannt bin) wegdrücken können. Also buddel ich und zerkaue alle Steine, die ich in der Tiefe finde und die mir im Weg liegen. Leider hat mein Frauchen gemerkt, dass meine Zähne ramponiert aussahen und schickte mich zu Doc Johannes, um mich untersuchen zu lassen. Aber er hat gar nicht gebohrt! Yeah.
Wally feuert mich dann immer noch an. Sie Frauen eben so sind. Ich finde das ganz schön anstrengend, aber sie lässt mir kaum Zeit zu verschnaufen. Puuuh! Im Freilauf zurückgekehrt, musste ich feststellen, dass meine Bemühungen vernichtet wurden, denn mein Tunnel wurde zugestopft (hat man zwar schon oft mit neuem Sand probiert, aber darüber lach ich mich nur schlapp, denn den puste ich einfach weg). Diesmal ist die Füllmasse stabiler und somit nicht so leicht zu beseitigen. Ich habe meinen Pfleger Mario in Verdacht...der Schlingel müsste als Mann doch auf meiner Seite sein, aber der hat letztens meiner Patin schon was von Kies und Beton erzählt und ich glaube, der war es! Hm, dann bleibt eben alles beim Alten und ich kann der Wally nur durch den Zaun die Pfote zum Trost tätscheln. |  |
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42. Frühstücksfernsehen
Holla ho! Was ist denn heute los? Man schreibt den 18.05.2007 und es sind gerade mal 6:00 h in der Früh, als es im Hof zugeht, wie im Taubenschlag! Ein riesengroßer LKW fährt rein und entlässt ganz viele Menschen, mit Zetteln, Kopfhörern und Mikros. Mitten drin die Chefs Lutz und Jeannette, unsere Pfleger und zwei Handvoll Paten. Träume ich?? Um die Uhrzeit? Da muss ja etwas extrem wichtig sein. Und schon musste ich feststellen, dass ich schlaftrunken von meiner ebenfalls schlaftrunkenen Patin angeleint wurde, um mit einigen Hundekollegen locker auf den Hof rumzustehen.
Und da strömen plötzlich die Menschen mit den Mikros, den Kopfhörern, den Zetteln und einer Kamera auf den Dieter, der mit seinem Blondinen-Kimba über Patenschaft redet. Dann rennt auf einmal alles zur Sandra, die mit dem dicken Dusty in das Mikro redet und erzählt, warum sie Patin wurde. Ich beobachte das vom Rande, da meine Sandra und ich es uns auf dem Boden gemütlich gemacht haben. Plötzlich kommen zwei Männer mit noch einer Kamera auf uns zugeschossen. Dies löste in meinem Hirn Erinnerungen an mein TV-Debüt bei "Tiere suchen ein Zuhause" aus, als ich mit der Moderatorin eine Kuss-Szene aus "Vom Winde verweht" nachstellen wollte. Also stürze ich mich spontan in Rhett-Buttler-Manier auf meine ahnungslose Patin und drücke ihr einen dicken Kuss irgendwo ins Gesicht. Genau, solche Szenen wollen die Fernseh-Leute doch sehen! Yeah! Jetzt komme ich bestimmt nach Hollywood! Nun gut, so weit dann vorerst doch nicht, denn nach dieser Szene veranstalten alle erst mal ein kollektives Verdauungspaziergängchen (also die Hunde und nicht die Paten).
Witzig daran ist, dass dies Live-Aufnahmen für das ARD-Morgenmagazin waren und wir alle Live im Fernsehen zu sehen waren, während andere Leute gemütlich am Frühstückstisch saßen. Ah, deshalb auch die frühe Uhrzeit! Dabei hätte ich lieber in der zweiten Liveschaltung mitgespielt, da durfte nämlich die Janka in den Katzenfreilauf um den Verträglichkeitstest zu filmen....hmmm, lecker...eh, räusper...war nur so ne Wunschvorstellung. So Leute, jetzt muss ich Schluss machen und meine Mails aus Hollywood beantworten. | |
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 | 43. Image ist alles?
Das Image eines meiner Rasse ist ja in der Öffentlichkeit leider immer noch nicht das Beste. Da muss man schon kreativ sein, um dieses zu verbessern. Ich kann ja schlecht ein T-Shirt tragen auf dem drauf steht "Ich beiße keine Omis" und lass mir zum Beweis alle Zähne ziehen. Also muss ich mein Äußeres verändern. Meine Patin hat da schon Ideen, um mich an den Mann/die Frau zu bringen. Schon durch ein olles Handtuch mit rosa Blümchen sehe ich doch gleich viel harmloser aus, oder? Man könnte hier unter dem Handtuch lange Schlappohren wie bei einem Jagdhund vermuten und damit wäre ich ja ein lieber Hund. Ich warte mal ab, wie es aussieht, wenn meine Patin den Flokati von zuhause mitbringt.
Als weißes puscheliges Fellknäuel habe ich bestimmt bessere Vermittlungschanchen. Wenn ich noch mal geboren werde, werde ich mich auf jeden Fall bemühen, dass mir ein langes blondes Fell wächst, dann ist das Leben leichter. Egal, mein Inneres bleibt ja das Gleiche und wenn die Menschen sich erst in mein manipuliertes Äußeres verlieben müssen, um dann mein goldenes Herz entdecken ist das ja auch o.k. Anders herum ist es ja offenbar nicht möglich...leider! |
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44. Zwischen zwei Diven
Wer meint, ich hätte mich vertippt, der irrt. Aber von vorne. Es ist ein lauschiger Samstag im Juni, die Sonne scheint, die Frisur sitzt. Da mein Patenfrauchen am folgenden Tag nach Ibiza fliegen wollte, machten wir einen ausgedehnten Spaziergang und damit ich auch etwas Urlaubsfeeling bekommen sollte, legten wir eine lange Pause am Bach ein. War ja fast, wie am Strand hier. Yeah, die Schaumparty kann beginnen. Der alte Ingor und das Meer. Ah, wie schön, die ollen Knochen in die warme Brühe tauchen, etwas schwimmen, die Sonne auf den Pelz scheinen lassen. Das ist Dolche Vita! Wenn ich schon niemals mehr in meinem Leben Urlaub erleben darf, dann halten einen solche Ausflüge doch irgendwie über Wasser. |  |
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Damit ich keinen Sonnenbrand bekam, kehrten wir vor der großen Hitze zurück in Richtung Heim und passierten dabei den alten "Elsa"-Parkplatz. Das ist immer so ein nettes Intermezzo, denn dort lache mir immer ins Pfötchen, weil dort meine Tierheim-Kollegen die Hundeschule besuchen. Hihi, habe ich alles schon viele Jahre hinter mir. Doch heute traute ich meinen Augen nicht. Statt einer Strandschönheit blinkte eine stolze Wald- und Wiesenschönheit in der Sonne: Daliah - meine erste große tierische Liebe. Daliah ist ja im letzten Jahr aus dem Tierheim ausgezogen und besuchte nun mit ihrem Herrchen Sebastian die Hundeschule, um ihm die Aufgaben zu zeigen, die ihn beim Wesenstest erwarten würden. Dali hat ja damals mit mir den Test schon mal gemacht, aber ihr neues Herrchen muss ihn auch mit ihr machen. Sie erzählte mir dann (uns Sebastian übersetzte es meiner Patin in Menschensprache), wie toll es bei ihren Menschen ist und das sie abends sogar immer zugedeckt wird, wenn sie sich in ihr Körbchen legt. Nur der doofe Kater der Mutter hat sie etwas unfreundlich begrüßt, um seine Stellung klar zu machen. Seitdem macht sie einen großen Bogen um ihn. Wuff, ich würde das Problem anders regeln, aber lassen wir das. Sie sah bezaubernd aus, hatte sie doch ihr rotes Einheits-Tierheim-Halsband-Leinen-Ensemble gegen ein Dress, das Ton in Ton zu ihrer Haarfarbe passt, getauscht und ihr Fell glänzte im Sonnenschein. Ich war hin und weg und dachte an alte Zeiten mit gemeinsamen Spaziergängen, aber ich gönne ihr natürlich, dass sie nun eine Familie hat. Sebastian und ich haben auch ein sehr kumpelhaftes Verhältnis (er nennt mich immer "Na, mein Dicker" - und das bei meinem Astralkörper, tse) und er meinte schon mal, dass er mich am Liebsten auch noch adoptieren würde, aber das ginge ja nicht, weil Dali und ich ja schon getestet haben, wie es ist unter einem Dach zu leben. Aber es tut richtig gut, dass einer zumindest den Wunsch äußert und sich ein Zusammenleben mit mir vorstellen könnte. Das baut einen zwischendurch auf.
Als die Pause vorbei war, musste Daliah wieder auf ihre Schulbank und hockte genau gegenüber von...meiner neuen Freundin Wally, die schrecklich meckerte, weil sie uns wohl beobachtet hat. Uii, ich tat das, was ein Mann in dieser Situation machen muss - ich ergriff samt Patin die Flucht ins Tierheim, weil mir das sehr peinlich war. Ein Eifersuchtsdrama um mich...nee, ich wollte nicht zum Gesprächsthema auf dem Hof werden. Gut, dass ich meine Digicam dabei hatte, denn so konnte ich noch schnell ein Foto von Daliah machen, was nun in meiner Hütte hängt. |  |
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 | 45. Herzschmerz
Ob diese Szene oder das heiße Juliwetter verantwortlich war, für das was mir wenige Wochen später passierte, weiß ich nicht. Aber von vorne: an einem sonnigen Mittag holte mich ein Pate zum Spaziergang, aber mitten auf dem Hof wurde mir komisch, alles was ich sah, verschwamm vor meinen Augen, in mir drehte sich alles und ich fiel zu Boden. Sollte dies mein letztes Stündlein gewesen sein? Jetzt schon? Nee, das wollte ich nicht und wurde wieder wach, weil unser Tierarzt Johannes mit so einem kalten Hörgerät auf meiner Brust rum rutschte. Ah, ich konnte wieder sehen und stand sofort wieder auf. Im Himmel konnte ich nicht sein, denn hier waren keine weißen Watte-Wolken, sondern nach wie vor Gitterstäbe von den Zwingern zu sehen. Also nur ein kleiner Schwächeanfall? Wehe, es sagt nun jemand, es läge am Alter. Pah, sofort setzte ich mich in Bewegung und trabte in gewohntem Tempo durch die Aachener Landschaft. Da unser Doc sehr fürsorglich und vorsichtig ist, erklärte er meiner Patin, dass sie mich zum Ultraschall-Herzcheck fahren sollte. Oje, natürlich brach sie in Tränen aus, heulte mein ganzes Fell nass und drückte mich dauernd, während sie was faselte von wegen "wie viel Zeit uns noch bleibt". Ach je, typisch Frau, immer diese Übertreibungen, als würde ich morgen abnippeln. Von da an packte sie mich in Watte und ging kürzere Runden bei gemäßigtem Tempo mit mir spazieren, als wäre ich ein rohes Ei. Dann kam endlich der Untersuchungstag. Wir fuhren mit dem Auto in Richtung Aachener Süden zu der Ultraschall-Praxis. Nein, Fehler, wir sollten in den Aachener Süden fahren, aber weil mein Frauchen so aufgeregt und kopflos war, fragte ich, als aufmerksamer Co-Pilot, warum wir kurz vor der belgischen Grenze standen, denn Belgien ist doch im Westen. Verschämt und noch aufgeregter drehte sie und irgendwann standen wir dann vor der Praxis. Dort sollten wir erst noch was spazieren gehen (sicher zum Cool-downen von Sandra) und so trotten wir durch idyllische Hügellandschaft, vorbei an einem malerischen Bachlauf, wo ich noch etwas plantschen konnte (wollte mich vor dem Arztbesuch noch etwas waschen).
Dann wurde es ernst: wir kamen in die Praxis und dort war es dunkel, der Doc wuchtete mich auf einen Tisch und rasierte mir die Brust und die Achseln. Hallooo?? Sollte das sein Ernst sein oder waren wir hier falsch? Auf meine neue Hühnerbrust schmierte er mir dann noch Gel und matschte mit einem Plastikteil darauf rum. Zur Krönung guckten er und Frauchen auf einen Fernseher, wo offenbar eine Bildstörung vorlag. Also, das war mir zu doof und ich entschied kurzerhand aufzustehen und zu gehen. Oh, das sollte ich wohl nicht, denn sofort gerieten alle in Panik und drückten mich wieder auf den Tisch. Kurz bevor Frauchen drohte, vor Aufregung zu kollabieren, meinte der Doc, dass mit meinem Herzchen, das man aus der Bildstörung wohl erkennen konnte, noch alles soweit in Ordnung sei und ich erst mal keine Tabletten bräuchte. Als er sagte, dass ich noch lange damit leben könnte, heulte Frauchen mich wieder total nass und busselte mich dauernd. Frauen....Mann, war ich froh, als ich wieder im Auto saß, Frauchen jetzt wieder entspannt war und vernünftig fuhr, so dass wir heil im Tierheim ankamen. |
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47. Jubiläum
Der 24.09.2007 war ein trauriger Tag, denn an diesem Tag hatte ich mein fünfjähriges Jubiläum im Tierheim. Kein Grund zur Freude, sondern eher zum Nachdenken, denn die Hälfte meines Lebens wohne ich nun hier. Die sorgen zwar hier für mich und wollen, dass es mir gut geht, aber es ist eben kein Zuhause, sondern eher wie im Knast. Dabei habe ich noch nie etwas verbrochen und sitze hier nur meine Zeit ab, bis einer kommt, der meinen guten Charakter erkennt und mich adoptiert oder bis...ich irgendwann in den Hundehimmel fliege...snief... |  |
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 | 48. Kunst meets Tierheim
Cool, endlich wieder eine Abwechslung: ein Künstler kam ins Tierheim. Wow und wir Hunde sind alle seine Models! Der Maler malte bisher immer Landschaften, bis der arme Kerl meine Patin Sandra kennen lernte. Die meinte nämlich, dass Tiere doch toller sind, als Wiesen und textete ihn so lange zu, bis er zuhause zum Pinsel griff und seine Rotti-Dame Lea malte. Hm, dachte er sich, machte doch Spaß und dann wurde er süchtig und malte auf einmal nur noch Hunde.
Manchmal kam er zu uns und verglich die Fotos, die Sandra von unserer Hundebelegschaft immer knipste mit den Originalen (also uns Hunde) und als sein Atelier voll war, hat er alle Bilder ins Tierheim gebracht, um sie hier auszustellen. Da war dann ne dicke Party im Warteraum mit ganz viel Prominenz, so Politiker und Künstler und so, die sich alle für uns interessierten. Viele von denen liefen dann auch über den Hof und bestaunten das Tierheim. Unser Heim ist offenbar schöner als andere (vielleicht weil so viel schöne bunte Farbe an den Wänden ist) und somit waren alle begeistert. Der Künstler fand uns auch so toll, dass er gesagt hat, dass er einen Teil des Kaufpreises dem Tierheim spendet. Jetzt hoffen alle Hunde-Modelle, dass ganz viele Leute die Bilder kaufen. Von mir hat er sogar zwei Bilder gemalt. Tja, sicher, weil ich so hübsch bin. |
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48. Mein Fanclub
Tja, dass ich so ein toller Kerl bin, der wunderbar ausgeglichen an der Leine geht und zu jedem Menschen und Tier (bis auf Katzen) freundlich bin, hat sich inzwischen unter den Paten rum gesprochen. Somit kam es mit der Zeit immer öfter vor, dass ich an den Tagen, an denen meine Stammpatin nicht kommen kann, weibliche Ersatz-Patenbegleitung gefunden habe. Gefunden habe - das ist noch untertrieben, die Frauen reißen sich geradezu um mich.
Am längsten kennt mich die Margret, die immer so herzlich und mütterlich ist und ein schlechtes Gewissen hat, wenn sie sich die Füße mit meinen Kollegen platt gelaufen hat und ich noch nicht draußen war. Dazu ist sie noch Tagebuch-Junkie. Dann noch die Kathi, die fesche Wienerin, mit der ich walzertanzend über die Wiesen schwebe. Leider hat sie sich in Kollegen Smoothy verliebt und ihn in das stafffreundliche Österreich entführt, um ihre Zukunft mit ihm zu verbringen. Der Glückliche!! Und meine dritte Zweitfrau, eh Zweitpatin ist die wilde Hilde. Wenn das Tor auf geht und eine kleine Frau mit roten Bäckchen und Sportdress auf den Hof kommt, dann weiß ich "It´s Sport-Time!". Puh, dann komm ich immer ins Schwitzen, denn dann wird gejoggt, weil Sport gut für mein Herz ist, sagt sie. Da Hildi sehr oft mit mir geht, habe ich ihr zu Weihnachten eine Collage von mir und ihren anderen Staff-Lieblingen Dusty, Smoothy, dem Wiener und Chero, der schon im Hundehimmel lebt, gebastelt. Mann, war das eine Kleberei an meinen Pfoten. Ich bin ja ein ausgebufftes Kerlchen, so ein richtiger Fuchs, denn ohne Hintergedanken mache ich so was ja auch nicht. Hilde hat nun Fotos von dem Mädel Dusty und mir zuhause und wenn sie uns jeden Tag auf dem Foto sieht, will sie uns vielleicht auch mal lebendig in ihrer Wohnung haben... hihi...warten wir mal ab.
Auf jeden Fall danke ich allen meinen Zweitpatinnen, dass sie sich so rührend um mich kümmern... ...und dem Diedää-Dieter, der zwar keine Frau ist, aber den habe ich auch voll im Griff, denn den hypnotisiere ich immer mit meinem Blick, so dass er seine tollsten Leckerlis raus rückt. Schmatz. | |
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50. Mein neuer Freund
Seit einigen Wochen habe ich einen neuen Freund. Nachdem meine Daliah ausgezogen ist, hat ihre Patin Kirsten erst mal keine feste neue Tierheim-Hundeliebe gefunden. Sie ging zwar mit Pricha, Sophie und Kim, aber diese Damen waren nie lange im Tierheim. Pricha zog zu ihrer Patin, Sophie wurde von ihrem Herrchen abgeholt und Kim wurde vermittelt. Mädels sind anscheinend gefragter. Die waren aber auch alle süüüß. Ein anderer männlicher Kollege, namens Carlos hatte da mehr Pech.
Selbst an einem Feiertag, an dem doch in der Regel alle Hunde raus kommen, weil die Paten einfach mehr Zeit für Spaziergänge haben, blieb Carlos sitzen. Als Kirsten am nächsten Tag im Tierheim war und sah, dass Carlos am Feiertag keinen Magneten bekommen hat, berührte er ihr Herz und sie die Türklinke zu seinem Freilauf. Seitdem sind Carlos und Kirsten ein Paar (und damit habe ich wieder einen festen Spaziergangkumpel, yeah!). Wer nun durch den Namen "Carlos" vermutet, dass er ein feuriges schwarz-langhaariges Energiebündel ist, der irrt. Denn gegensätzlicher kann ein Name nicht zum Aussehen und Temperament passen. Rein äußerlich müsste er eher Malte, Nils oder Torben heißen, denn Carlos hat kurze blonde Haare, eher der nordische und gelassenere Typ, wie man auf dem Foto sieht. Auf jeden Fall hat er nun eine feste Patin, die auch ab nächster Woche mit ihm die Hundeschule besuchen wird. Das wird er auch locker meistern, denn irgendwie sind wir aus einem Holz geschnitzt. |  |
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Manchmal denke ich, dass er von mir geklont wurde. Beide sind wir extrem locker beim Spaziergang, benehmen uns vorbildlich bei anderen Hunden (o.k., den schicken Hündinnen pfeifen wir schon mal hinterher), sind nett zu Menschen und insgesamt sehr coole Typen. Wir schnuppern am gleichen Grashalm ohne zu meckern und haben das gleiche Feindbild, dass unser Blut zum Kochen bringt: Katzen!! Grrr.
Carlos und ich sind uns echt in Allem einig und wir verfügen über einen Haufen an Lebenserfahrung, da wir beide zweistelligen Alters sind. Bei Carlos merkt man das besonders an den Zähnen, denn offenbar hat er in seiner Jugend unvernünftigerweise zu viele Steine angeknabbert, so dass er jetzt auf den Felgen kaut. Unsere Patinnen nennen uns liebevoll "Der Zahnlose" und "Der Herzkranke", weil unsere Zipperlein uns noch liebenswerter macht. Ich freue mich schon auf Samstag, wenn wir wieder unseren Altherren-Spaziergang antreten. |  |
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