Vorbild für andere Städte
Übrigens ist Aachen mit diesem Projekt, neben Augsburg und Tübingen, zum Vorreiter für andere Städte in Deutschland und auch in den Niederlanden geworden! Städte, in denen Tauben nicht mehr verfolgt oder getötet werden. Fast 40 deutsche Städte haben sich bereits für diesen Weg entschieden – oft nach erfolglosen anderen Maßnahmen. Inzwischen wird es auch von den zuständigen Ministerien der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen empfohlen. Dies funktioniert nur, da wir auf Bundesebene gemeinsam mit der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben vernetzt und seit vielen Jahren aktiv sind. Auf der Homepage www.stadttauben.de finden Sie viele Informationen zu Tauben und zum Konzept!
Stadttauben und ihre Herkunft
Stadttauben sind entflogene Haus- oder Rassetauben und ausgebliebene Brieftauben sowie deren Nachkommen, stellte die Tierärztliche Hochschule Hannover 1995/ 1996 fest. Den stärksten Zuflug haben unsere Stadttaubenschwärme heute durch verirrte und erschöpfte Brieftauben. Die Stammform aller gezüchteten Tauben ist die Felsentaube (Columba livia). Tauben brüten ganzjährig und haben jährlich bis zu 12 Nachkommen. Diese hohe Brutaktivität ist ein charakteristisches Merkmal für den Eingriff des Menschen durch Zucht (Domestikation). Sie sind standort- und nistplatztreu. Zur Futtersuche und zum Schutz gegen Greifvögel schließen sie sich zu Schwärmen zusammen. Hohe Gebäude dienen ihnen als Felsenersatz und als Brutorte. Der ursprüngliche Körnerfresser findet in der Stadt kaum natürliche Nahrung, lebt vom Futter der Taubenfreunde und den Abfällen der Wohlstandsgesellschaft.
Stadttauben und der Umgang mit ihnen
Tauben können wie alle anderen Lebewesen Träger von Krankheitserregern sein. Eine besondere Infektionsgefahr für Menschen beim üblichen Kontakt in der Stadt besteht nicht. In Deutschland gelten die verwilderten Haustauben seit 1989 nicht mehr als „Schädling“ im Sinne des § 13, Absatz 1 Bundesseuchengesetz. Durchschnittlich 10 kg Nasskot produziert eine Taube pro Jahr. Die Ursache der Gebäudezerstörung ausschließlich auf den Taubenkot zurückzuführen, konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Um die Anzahl der Tauben zu verringern, ordnen die Behörden häufig Fütterungsverbote und vereinzelt Tötungsaktionen an. Die Brutaktivität der Tauben ist jedoch genetisch bedingt und, anders als bei Wildtieren, nicht über das Futterangebot zu regulieren. Wird ein Futterplatz nicht mehr bedient, versammeln sich die Tauben verstärkt an anderen Orten, z.B. in Fußgängerzonen, wo ein Nahrungsangebot durch Geschäfte und Freiluftgastronomie besteht. Das aber gerade will das Fütterungsverbot ja verhindern. Grundsätzlich verstoßen Tötungsaktionen gegen das Tierschutzgesetz. Zudem stellen sie kein wirksames Instrument zur Bestandsregulierung dar, sondern führen lediglich zu einer Verjüngung der Populationen und die Bestände wachsen nach einiger Zeit erneut an. Zu den grausamen Folgen von Tötungen gehört auch, dass Nestlinge verhungern, da für die Brutpflege beide Eltern unentbehrlich sind. Vergrämungsmaßnahmen wie Netze, Spikes oder Stromstöße sollen verhindern, dass Tauben an bestimmten Plätzen sitzen, ruhen oder nisten. Einige Methoden können schwere Verletzungen bei den Vögeln hervorrufen und sind daher abzulehnen. Grundsätzlich können Vergrämungen als begleitende Maßnahmen sinnvoll sein. Als einziges Mittel angewendet, veranlassen sie jedoch lediglich eine Problemverlagerung, denn die Tauben weichen auf benachbarte Standorte aus.